Chilean Plans

Unser letztes Hostel in Pucón war so genial! Als Johnny sagt, er habe nen Freund mit guter Unterkunft in Puerto Montt, sagen wir sofort blind zu (und schnorren uns mal wieder in irgendeinem Cafe auf dem Weg wlan, um das Ganze abzuwickeln und hinzufinden).

Kommen wir an… richtig runtergekommene Stadt, desaströse Straße, total im Hafengebiet gelandet. 😀 Die Konklusion: Erstmal schön am Hostel vorbeifahren und unsere Busfahrt nach Bariloche am Terminal einen Tag vorverlegen. Und das klappt sogar verrückter Weise. Heisst, wir müssen das Auto morgen früh abgeben. Allerdings geht der Bus auch schon um 10.45h. Und da ist ja auch noch dieser Steinschlag. Heiße Kiste 😀 Um zu fragen, wann hertz aufmacht, versucht eine Frau im kleinsten Café der Welt – aber hauptsache offizielle Telefonanlaufstelle im Terminal xD – für mich anzurufen. Ocupado – besetzt. Noch mal anrufen will sie partout nicht. Hm, na gut. Dann schnell zum Hostel und von da anrufen. Nach der endlosen Treppe, die wir wegen unseres Muskelkaters kaum überwinden können, werden wir mit offenen Armen empfangen. Johnny hat uns wohl mit netten Worten angekündigt. Total nettes Ehepaar, 2 DZ zum Dormpreis, top Küche – sogar parken können wir im privaten Garagenhof. Auch von hier aus versuchen wir bei hertz anzurufen. Nach 3 Nummern und 10 Versuchen bekommt Alejandro jemanden ans Telefon. Anstatt nur die Öffnungszeit zu erfragen, meint er es gut und macht für uns den super service Ablauf klar. Es kommt nämlich raus: damit die Versicherung greift, müssen wir mit unserem mini Steinschlag noch zur Polizei. Zur Erinnerung: Unser Bus nach Argentinien fährt um
10:45h. XD Aber es gibt keine Alternative, am 31. fahren keine, heisst es auf einmal. Ja geil, das wird ja spannend. Damit wir das nicht alles morgens auf eigene Faust ohne Plan erledigen müssen, will der Typ von hertz um 9h zu unserem Hostel kommen, sich den Schaden angucken, mit uns zur Polizei fahren, uns am Terminal rausschmeißen und das Auto offiziell mitnehmen. Ich bin skeptisch und werd nervös, sag Alejandro, dass der Typ ja pünktlich sein soll, sonst sind wir am Arsch. Er sagt: absolut kein Peoblem. Ihr Deutschen, macht euch immer nen kopf… Der Plan wird funktionieren.

Cut! Es folgt nun eine szenische Schilderung des tatsächlichen Ablaufs. Dramaturgisch aufbereitet.

Diese Geschichte beruht auf wahren Ereignissen. 😀

8.40h
Ricarda, Mathias, Thomas und Sarah sitzen mit gepackten Rucksäcken, abfahrbereit in der Lobby ihres Hostals. Alles ist still. Das Ehepaar, das alles organisiert hat, ist weg. Nur eine Putzfrau huscht alle paar Minuten vorbei.

08.50h
Die Nervosität steigt. Sarah sitzt am Fenster und beobachtet die Straße.

08.55h
Ich stifte die Putzfrau an, einen schlaftrunkenen Gast zu wecken. Der hat uns zugeparkt und soll gefälligst sein Auto wegstellen. Aber dalli! 😀

09.00h
Kein hombre weit und breit.

09.10h
Immer noch kein hombre. Thomas fängt ebenfalls damit an, am Fenster rumzutigern. Wo bist du Herr Hertz?

09.15h
Jegliche Geduld ist schon verbraucht. Ich frage die Putzfrau, ob ich mal telefonieren dürfe. Sie sagt jein und haut ab. Nice xD

09.16h
Nachgeharkt, geht klar. Sarah steht vor dem Telefon. 0 vorwählen? ist die 65 schon die Ortsvorwahl…? Es tutet nicht. Ein Bauarbeiter begeht den Fehler, sich zu nah an die Rezeption zu begeben. „hola!“ Sofort abgefangen und befragt. Sarah wählt zusammen mit dem Bauarbeiter die Nummer von hertz, ocupado. Besetzt. Noooo!

09.17h
Sarahs Hände werden schwitzig.

09.25h
Ein Hoffnungsschimmer. Ein junger Chilene kommt rein und sagt, Alejandro habe ihn angerufen. Ist das unser Mann? Nö, natürlich nicht. Da er aber mit Alejandro sprechen und ihn anrufen will, wird sich mit eingeklingt.

Sarah: „Hola! Sorry, aber wenn Sie Alejandro anrufen, können Sie ihm sagen, dass der bestellte Hertz hombre nicht kommt?“

09.30h
Alejandro sagt, er sei sofort da, um alles zu regeln. Solange sollen wir einfach nur kurz warten.

9.35h
Krisengespräch auf deutsch.
Thomas: „wir fahren einfach um viertel vor selbst zur Polizei und zum Oficina.“
Rici: „ja aber beides schaffen wir glaube ich nicht, dann lieber oficina.“
Sarah: „okay, seh ich auch so. Irgendwann müssen wir was machen.“
Mathias: sitzt im Auto xD

9.40h
Alejandro arrives. Er sagt, es sei so viel verkehr, dass man es nich schaffe, zum officina zu fahren und um 10.30h am terminal zu sein. Doaah. Ja dann Herr mit dem hombre, wir brauchen mehr Druck! Alejandro spurtet zum Telefon und ruft hertz an. Eine Frau sagt, sie wisse von nix und auch von keinem hombre, der komme. Nice.

09.45h
Alejandro ruft noch mal hertz an und die sagen, das Auto könne zur Not einfach bei Alejandro stehen bleiben. Die gruppe könne ja dann schonmal nach Argentinien fahren. Als ob xD Aufregung im Rudel. Das ist uns ne Spur (eher ne 6-spurige Autobahn) zu naiv. Wir brauchen den hombre von gestern am Telefon.

Alejandro ruft nochmal bei herzt an und findet den Namen und Handynummer des Mitarbeiters heraus: sergio barrera.

09.50h
Alejandro ruft Sergio an. Sein Handy scheint nicht richtig zu funktionieren. Nach drei Versuchen, bei denen nicht mehr als ein „hallo, hallo“ bei rumkommt, haut er sein Schrott-Gerät gegen die wand. Jetzt ist er richtig bei Sache.

09.51h
Das Telefon des Hostels klingelt, ein Glück, es ist Sergio von hertz. Er sagt, er sei „ein bisschen spät dran“ und sei in 5 min da. Wir sollen nirgendwo hingehen.

09.56h
Natürlich kein Sergio.

10.05h
Aber jetzt ein Sergio. Telefonierend spaziert er rein. Wir sind erleichtert, zumindest trägt er schonmal nen Hemd und Anzugschuhe. Könnte tatsächlich jemand von herrz sein. Er telefoniert noch seelenruhig zuende. Dann will er das Auto sehen.

10.10h
Thomas, Sarah, Rici und Sergio stehen am Auto, Mathias sitz weiter darin. Sergio will wissen, warum wir zur Hölle nicht schon bei der polizei gewesen seien. Das glauben wir zumindest. Sein spanisch ist ein Alptraum. Mit Händen und Füßen erkläre ich, dass der Typ in Antofagasta sagte, wir müssten den what-to-do-Umschlag mit den Policia-Anweisung nur im Falle eines richtigen Unfalls öffnen. Findet Sergio gar nicht gut von dem. Er telefoniert noch 2mal, sagt aber immer noch nicht, was jetzt los ist.

10:20
Sergio sagt, er fährt uns jetzt zum Terminal. Mit einer Passkopie und meiner schriftlichen Aussage könne er allein zur Polizei.

10:30
Alle sind am Terminal. Und nun? Sergio tippt wild in seiner hertz whatsapp gruppe rum. Seriös. Er ruft noch mal im oficina an. Als wir ihn nach einem Übergabedokument fragen, lacht er noch. Als wir nochmal darauf hinweisen, dass in 10 min unser Bus fährt, wirkt er geschockt.

Sergio: „Wie, ihr müsst jetzt das Land verlassen?“
Sarah: „Ja sicher, deswegen sind wir doch so panisch. Das haben wir gestern am Telefon gesagt und heute auch schon 10 mal.“
Sergio: „ja aber, wie…?“

Und dann gehts los. Immer nur tarjeta, tarjeta – Kreditkarte. Ich versteh nur tarjeta. Nix tarjeta! (sag ich leicht aus der Haut fahrend.) Vollkasko ohne Selbstbeteiligung! Sergio merkt, dass wir das gar nicht mehr lustig finden. Er fragt mich, woher wir kommen. Aus Deutschland. Ujujujujuj, son Mist aber auch. Ich hab die super Korrektos im Auto xD

10.35h
Nach Hin- und Her steht fest: Wir kommen nur Beteiligungsfrei weg, wenn wir jetzt zur Polizei fahren. Ja dann aber dalli. An der nächsten Kreuzung schmeißen wir Rici und Mathias samt Gepäck raus. Ihre Mission: irgendwie den Bus aufhalten!

10.40h
Sergio gibt alles, heitzt durch die Straßen zum Polizeirevier.

10:42
Er wirft uns irgendwo raus, sagt rechts rechts Polizei, ja und er? Keine Zeit für Erklärung. Wir drehen uns noch dreimal um. Wildes Gewinke nach rechts. Ja, ja ok. Ej hoffentlich haut der jetzt nicht mit unserem Gepäck und Auto ab. 😀

Unterdessen bei Rici und Mathias:
„ja wir können bis 50 oder 55 warten. Dann müssen eure Freunde aber hier sein.“

10:44
Ich sitze vor einer Polizistin und erkläre die Situation, da kommt Sergio reingestürmt, hechelnd, schwitzend: „ich hab geparkt und hab eure Rucksäcke noch versteckt, damit die niemand klaut.“ Guter Mann, aber wieso sagt er das nicht gleich?! XDD Mit Sergios Hilfe machen wir innerhalb von 3 min einen Bericht. Ob das südamerikanischer Rekord ist?

10:48
Der Busfahrer sagt Rici er müsse jetzt losfahren. Da sind die einmal pünktlich die Säcke! Er hat einen Ausweg und zeigt auf eine Frau. Die da kann dir weiterhelfen und fährt weg. 😀 lol.

10:49
Ich bekomme den ausgedruckten Bericht und muss nur noch unterschreiben. Gut, dass ich später bei der Abfotografie sehe, dass ich Sarah Deutsch heiße xD Netter Zeilenverrutscher…

10:50
Die ominöse Busfrau sagt Rici sie könne auch in den turibus steigen. Die beiden Busse würden sich irgendwo wieder treffen. Dann sollen wir umsteigen. rici schreibt ne sms, versucht mich anzurufen. Nada.

Ebenfalls 10:50
Wir rennen zum auto, ich versuche rici anzurufen. Kein netz. Nee oder?
Sergio rast, nimmt Vorfahrten, ist sich aber sicher wir schaffens. Dabei versucht er sowohl mit seinem als auch mit mejnem Handy Rici anzurufen. Ein Bild für die Götter. Da wissen wir natürlich noch nicht, dass der Bus schon los gefahren ist, geschweige denn etwas vom zweiten Bus.

10:53
Die Busfrau sagt, 5 Minuten wartet sie noch mit dem 2. Bus, dann ist Sense.

10:54
Thomas und ich sind am Busterminal. Hä, aber doch am falschen?! Nee, nee sagt Sergio, das ist direkt der erste Stopp, ihr könnt dazusteigen. Das ist besser. Ähm, ja aber meine Freunde steigen doch nicht ohne uns ein! Ja dann ruf die doch an! Ich hab kein Netz! xD what the fuck!!! Ich mach das Handy aus und an – ein Wunder! Ich habe Netz. Kommunikation mit Rici. Wir checken, dass auch der 2. bus hier hält, also einsteigen, einsteigen, sammelt uns ein. Ja ok.

10:56
Rici und Mathi steigen in den Ausweichbus nach Osorno. Hallelujah, wenn das mal klappt.

11:00
Es kommt kein Turi-Bus. Sergio war schon 2 mal im Terminal und hat das aber gecheckt. Er muss kommen. sergio gibt uns einen absoluten wisch als „Abwicklung“ mit. Sagt es ist alles gut, wenn wir nur noch unsere Daten online eintragen. Er fährt weg. Puh. Das Auto sind wir los.

11:01
Sms von rici. steigt auf jeden fall in den cruz del sur bus, unseren 1. richtigen. Ich weiss nich, ob wir uns an eurer haltestelle treffen oder eine spàte. Ernsthaft????!!!! Mein blick geht nach links, nach rechts. Alter, da steht gerade ein Cruz del sur bus und will wegfahren. Ich renne, winke, Brülle. Er hàlt tatsächlich an. Es ist tatsächlich unser Bus, und der Busfahrer überlegt sogar uns ohne Ticket (, das natürlich Rici hat), mitzunehmen.

Ebenfalls 11:01
Rici und Mathias biegen in einen Terminal und sehen wie Thomas und ich wild über die Straße zu einem Bus rennen xDD

11:02
Mein Blick geht noch einmal nach links, in der Hoffnung, da könnte doch noch was passieren. Und dann :DDD Seh ich auf einmal einen turibus einbiegen und zwei Personen wild rumwinken. Nein!? sind das? Thomas!!! Da sind Rici und Mathias!!!

11:03
Rici und Mathias sind bei uns angekommen. Wild hechelnd erzählen wir uns unsere Geschichte der letzten 15 Minuten :DD (Damit sind wir dann auch noch 2 weitere stunden im Bus beschäftigt.)

11:04
Unser Gepäck ist eingeladen, wir steigen die Bustreppe rauf. Es ist ein Wunder! Und was ist das erste, was wir sehen? Ein strahlendes Gesicht blickt uns an. Chris von der Weihnachtsparty aus Valparaíso. Er hat den Busfahrer vorne angeklopft, weil er uns gesehen hat und nur dachte. Was machen die denn da? Die kenn ich doch!😄 Abgedrehter geht’s jawohl nicht.

Als wir dann noch den Zoll mit meinem Bild passieren, ohne kontrolliert zu werden… wieso haben wir keinen Sekt?! XD

Im Detail

Was für ein Tag gestern. Da scheint in Pucón, genau wenn wir ankommen, seit Wochen das erste Mal die Sonne – und alle rasten aus. Die Konsequenz: Alle 40 Vulkantour-Anbieter sind ausgebucht. Wir sind ein paar Stunden zu spät dran. Dödö. Da es allerdings 22 weitere abenteurliche Activities zu buchen gibt, ist das verkraftbar. Plan B: Wandern im Naturschutzgebiet mit Aussichtspunkt ganz oben auf der Bergspitze (so kriegen wir gleich alle drei Vulkane im Panorama) + Rafting-Trip um 16.00 Uhr. Die Uhrzeit nenn ich nicht umsonst, sie hat uns natürlich – ohne was vorwegnehmen zu wollen – zu Hochleistungen angetrieben, oder sagen wir es so: mega in die Bredouille gebracht. XD

Denn natürlich war der Eingang in das Reservat weder auf der Karte richtig eingetragen noch mit dem Auto erreichbar. Nach zwei Irrfahrten, u.a. über eine 15km lange Schotterpiste, gings um 10 zum völlig versteckten Fußgänger-Eingang. Offiziell sind’s dann erstmal 1,5-2h Gehweg, bis man überhaupt erst im Naturschutzgebiet ist. Nice 😀 Aber wir lassen uns nicht lumpen und sind uns sicher: Die 5 angegebenen Stunden (3 rauf, 2 runter) schaffen wir auch in 4 + Pause. Dann würden wir genau um 5 vor Vier vorm Rafting-Büro stehen. Joa: Nach 15 Minuten Hyperanstieg gleich zum Auftakt war ich mir mit meiner in keinster Weise vorhandenen Kondition da nicht mehr so sicher 😀 Ich hechel schlimmer als die aufdringlichen Hunde am Essenstisch. Zut Not können wir ja immer noch früher umdrehen. Wär aber schon schade – denn eigentlich sind wir ja hauptsächlich wegens des Ausblicks von der Spitze hier. Also wird beinhart durchgezogen. Kurze Flucht-Sprints vor mutierten Bremsen lockern die Atmosphäre und motivieren zusätzlich. Und tatsächlich – knapp eine Stunde früher sind wir am letzten Aufstieg angekommen. Darauf ne Highfive, noch mal alles zusammen nehmen und rauf da. Nicht stehen bleiben, sagt Rici, unsere Sportskanone – doch dann der Fullstopp. Eine Kuh steht im Weg. Auf einem Hüftbreiten Weg mit gefühlter 70%-Steigung. Boah und die stinkt vll. Die war das bestimmt, die uns die ganze Zeit Dünnpfiff-Kuhfladen in die Kurven legt. 😀 Da wird das beste Spanisch ausgepackt: „Arriba!“, „Äh… Vamos“, „Ajajajajaj!“ :DD Mit Klatschen, meinem Gandalf-Wanderstock und viel gutem Willen der Kuh ist der Weg wieder frei. Weiter geht’s. Die letzten 5-10 Minuten Vollgas. Und tadaaa, völlig fertig aber glücklich passieren wir den letzten Baum. Berge, Vulkane, Wolken… Hammer Ausblick. Dass der große, eindrucksvolle Vulkan direkt vor unserer Nase total zugewolkt ist, nehmen wir mit Humor. Mir ist aber gerade eh alles egal, ich hab ein Sandwich mit fettiger Salami und noch fettigerem Käse im Mund. Heaven xDDD

Der Weg runter ist natürlich auch noch mal super hardcore. Baustelle 1: der Knieverschleiß, Baustelle 2: Staubwolken bei Gegenwind. Rici verweigert schon nach jeder weiteren Kurve wie ein Pferd vor dem Sprung, aber alle ziehen es durch. Und siehe da – um Punkt 4 sind wir am Rafting-Treffpunkt. Wir haben aber auch immer ein Schwein. 😀 Vor allem weil das Rafting so mit das geilste war, was wir überhaupt gemacht haben. Mit nem Transporter ging’s rauf in die Berge an den Fluss. Dann heißt es: Klamotten aus, Neopren-Anzüge an. Sicherheitshinweise. 10 Minuten lang kriegen wir alles gesagt, was wir wissen müssen. Und da gibt’s so einiges. 😀 Wie steigt man ins Boot? Wie hält man das Paddel? Ok, aber dann… Wie verhalte ich mich, wenn ich rausfalle? Wie wenn das ganze Boot umkippt? Wie ziehe ich jemanden wieder ins Boot? Wie lasse ich mich zur Not im wilden Fluss treiben? Wow wow wow, hier geht’s aber ab 😀 Aber auf dem ersten Flachen Stück schickt uns unser Guide sofort ins Wasser fürs Training. Oah ist das kalt 😀 Zack ins Boot reinkrabbeln, den anderen an der Schwimmweste auf sich drauf ins Boot ziehen. Uiii, das macht aber Spaß xD Dann lernen wir alle Kommandos: Foreward, Backward, Down, Highside left, Highside right, grap the rope, left back, right back, jump, position! Wir sind gut 🙂 Das mekt Marco und wir machen gleich am ersten kleinen Wasserfall einen Special-Move. Bitte lächeln für die Kamera xD

 

1,5 h sind wir im Wasser. Vor jedem Wasserfall planen wir unser Mannövrr, damit wir schinmal wissen, welche Kommandos am Wahrscheinlichsten sind. Ist auch besser so, mit meinen schlechten Ohren ist ein Highside right nämlich schnell mal ein Highside left – und Sari springt als einzige wild nach links. xD Whoopi. Aber wir kommen ganz durch ohne zu Kentern. Damit wir wissen wie’s sich anfühlt dürfen nicht so schlimme Stücke aus dem Boot springen und uns ein Stück in der Safetyposition (Füße und Augen nach vorn) treiben lassen. Mega! Auch cool: ein Sprung vom 4m Wasserfall! Alles safe.

Am Abend geht’s nur noch geplättet ins Bett. Zum Glück haben wir ein totsl gemütliches, schönes Hostel. Da lässt es sich relaxen. Das machen wir auch heut morgen im strömenden Regen. Vulkantour ist also auch heute nicht drin. Bei dem Popo-Muskelkater auch vll besser so 😀

Action! :)

Huhu, wir leben noch. Die Vulkantour musste wegen Überfüllung ausfallen, dafür haben wir uns bei ner Bergerklimmung und Rafting-Tour richtig gefordert. Es hat so Bock gemacht, aber wir sind so erledigt und müssen morgen früh um 6 raus, dass ich euch jetzt nur noch einen Beweis der Coolness unseres Tages liefere. Morgen versuchen wir’s noch mal auf den Vulkan. Aber wenn’s regnet, dann muss der leider ohne uns auskommen – und wie weiterfahren. Längerer Berichte wird nachgeliefert… 😉

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– Lifestyle of the rich and the nich rich –

Abends in Santiago anzukommen, war schon ziemlich cool. Mit großen Augen klebten wir an der Scheibe. Auf der anderen Seite Manhatten mäßige Wolkenkratzer, historische Gebäude, beleuchtete Wasserflächen – und eine dezente 10 mal 14 m große chilenische Flagge. Wow. Doch wie viele Städte hat auch dieses Exemplar ein zweites Gesicht, ein aber. Und was für eins. In kleinen Nebenstraßen abseits der Börsen und Banken grüßt das Ghetto – so auch in unserer Hostelstraße – und speziell in unserem Bad. 😀

Wie krass alles auseinanderragt merken wir auch bei unserer 4-stündigen Walkingtour: Tagsüber liegen zwischen all den Anzugträgern, die sich mit Kaffee in der Hand über die Straße hetzten, richtig verwarloste und zu 99% betrunkene Obdachlose in der Gegend rum. Hauptstadt-Flavor.

Die Tour führt ein junger Einheimischer und ist Tip-basiert. Man zahlt also am Ende einfach, was es einem Wert ist. Cooles Konzept und vor allem cooler Typ, unser Guide, der den perfekten Mix aus Geschichte, Kultur sowie Insider Food- und Bartipps abliefert. Das Ergebnis soll euch natürlich nicht vorenthalten werden – ungesund, aber unfassbar geil (natürlich)! Menü 1: chorillata – oder auch – „The Heartattack“. Warum? xD Irre hungrige Studenten haben ein Monster erschaffen: ein Bett aus Pommes, eine Schicht Rindfleisch, getoppt von einer Schicht Wurst und einer Zwiebeldecke, wohl behütet unter einer Spiegelei-Decke. Ich geh kaputt! Sowas konnte sich auch nur die Elite von morgen ausdenken :DDD Aber mit den Mengenangaben haben sie’s anscheinend nicht so. Der Kellner überredet uns nur eins zu bestellen – der Berg sei definitv für 4 Personen. Pfff! Da hat der wohl noch nie Thomy und mich zuschlagen sehen. Das Ding war so schnell weg, dass wir gleich noch Chickenwings mit Pommes für alle hinterher bestellt haben. Germans (kopfschütteln)… 😀

Der dazu empfohlene Drink hält das Level, jedoch nicht unseren 0er Alkoholspiegel. Teremoto, also Erdbeben, heißt er – und wird Sekunden nach dem ersten Nipper sofort in unser Cocktail-Repertoire aufgenommen. Man nehme die billigste auffindbare Flasche Weißwein (das sei sehr wichtig, sagt Franco :D), Fernet branco (nen Kräuterschnaps mit 40 Umdrehungen) und gebe einen fetten Batzen Ananaseis oben drauf. Nom nom nom. Serviert wird im 1,5l Kübel – wenn mans größer haben will, wird aus dem Teremoto ein Tsunami. Klar wie Kloßbrühe. 😄

Achtung Zeitsprung! Nach der Tour, aber noch vor dem Barausflug, der mit einer reibungslosen Taxifahrt endet ;-), gönnen wir uns zum Abschied von der Stadt einen Luxus-Ausblick über die Skyline. Da hat sich doch die Warterei am Cable Car gelohnt. Auch weil uns oben auf dem Hügel ein grüner Park erwartet, eine Freiluft-Kirche und hunderte Fragen von einem kleinen, sooo süßen Jungen, der unbedingt wissen will, wer so böse war und den armen Mann da nackig ans Kreuz getan hat. Da kommt Vatter hier und da aber ins Schwitzen, wenn nachgehakt wird.. 😀 Wir übrigens auch, obgleich in anderem Kontext. Ich sag nur 32 Grad im Schatten. 🙂

Unsere letzte glorreiche Idee bereuen wir ein bisschen. Der Ausflug in die Markthallen, die so angepriesen wurden und interessant klangen, sind völlig kacke. So abgefuckt, unhygienisch und ekelig alles. Sowohl Verkäufer als auch Ware. Wir wollten nur noch raus, auch weil es uns in der Fleischabteilung hochkommt. Gut 32 Grad ist ne Hausnummer. Aber dass das von heute sein soll, vor allem bei den Bergen, die da noch kurz vor Ladenschluss liegen, kann mir keiner erzählen. Trauriger Höhepunkt ist ein junger Fleischverkäufer, der offensichtlich viel Langeweile und wenig Anstand hat. Er bittet um ein Foto von sich – schnappt sich auf einmal einen Schweinekopf, setzt dem seine vollgeschwitzte Kappe auf und macht faxen. Oh mein Gott. Foto und weg. Schnell. Ich will gar nicht wissen, was die sonst so mit dem Fleisch anstellen, wenn keiner hinguckt.

Ja… als i-Tüpfelchen kommt dann natürlich noch der Clou. Omi du musst jetzt den Browser schließen. :-/ Erleichtert, endlich da raus zu sein, stehen wir an der ersten roten Ampel, 30 Leute um uns rum. Ein Mann rückt in mein Sichtfeld, geht einen Schritt auf die Straße und dreht sich um, als ob er gegen die Sonne guckend etwas lesen wolle. Scheiße, ich weiss sofort in der ersten zehntel Sekunde, da ist was faul, aber ich kann nix machen. Versuche noch nen Schritt wegzugehen, aber der Typ hängt schon in meinen Haaren und hat sich die Ray Ban geschnappt. Fuck. Ich kreische und schubs ihn weg, damit er nicht noch mehr ergattert. Thomas zerrt an ihm und zerreist ihm das Shirt. Panisch lässt der Typ die Brille fallen und haut ab. Die Leute drum rum interessiert das eher weniger bis gar nicht. Das sei „normal an dieser einen Kreuzung“. Einfache Trickdiebe halt. Die tun doch nix schlimmes. Ah ja. Deswegen hat uns auch erstmal ein angeblicher Journalist dabei „zufällig“ gefilmt. Komisch alles, aber naja. Nix passiert und optimistisch gesehen ist das jetzt als Erfahrung abgehakt, ohne Konsequenzen. Selbst die Brille ist noch heil, wobei mir das ziemlich wumpe ist. Augen werden weiter offen gehalten, versprochen.

The streets of Valparaíso

Valparaíso, Valparaíso. Das nenn ich mal ne Stadt mit Charakter. So weit du gucken kannst, knallbunte Häuser auf den Hängen, wie kleine Mosaiksteine. Dann blauer Himmel. Wasser. Voll das Flair. Und: sie sieht nicht nur schön von weitem aus. Wir fahren durch sau steile Straßen, jede einzigartig dank super aufwändiger und professioneller Graffitis. Mindestens ein nostalgisches Haus, ein skurriles Café oder einen unkonventionellen Laden gibt es immer. Wir fühlen uns ein bisschen wie im Szeneviertel von Berlin. Da passt doch die alternative Dreadlockfrau am Hostel-Empfang 1a ins Bild :D.

Einmal das Gepäck auf dem Zimmer abgeliefert, geht’s auf Erkundungstour. Um nicht am heiligen Abend mit krampfenden Waden weinend im Bett zu wurmen, probieren wir ein paar der Ascensores aus – Lifte, die dich in unnachvollziehbar steilem Winkel die Hügel „raufbefördern“. Der Mut, in eine südamerikanische mechanische Konstruktion zu steigen, wird mit einem wahnsinns Ausblick übers Viertel und den Hafen belohnt. Yes!

Inspiriert von dem Eindruck, möchte ich sagen, xD werde ich zum Opfer meines Auges. Gleich in der ersten (und einzigen) Kunstgalerie verliebe ich mich in eine ölige, afrikanisch maskierte Dame auf Leinwand. Der Maler hat mich mit seiner Reihe. Ein Bild ist schöner als das andere. Aber dieses eine. Verdammt: In einer perfekten Welt muss ich das haben. Als ich den Händler frage, ob – und wenn ja für wie viel Knete – die Nr. 19 zu haben ist, weil der richtige Titel viel zu lang ist, um ihn mir bis zur Verkaufstheke zu merken, gucke ich doof aus der Wäsche. „3000 pesos!“ (alias 4 Euro), sagt er. Und ich so: „hä?! Nee jetzt mal im ernst…“ 2 Minuten später fällt bei ihm der Groschen. „Achsooo, Sie meinen das richtige Gemälde. Ich dachte, Sie wollen ne Postkarte!“ xD Richtig nach dem Motto – mhhh studenten… Wir kommen ins Gespräch. So langsam merkt er, dass ich es total ernst meine, weil ich 100 Fragen stelle. Er will kurz den „Valor“, nicht etwa den Preis des Bildes im
PC nachgucken. 540 dollar. Das passt schon eher, auch wenn es schmerzt xDDD

Ich überlege hin und her: Wie krieg ich das Ding nach Deutschland, wie kann ich mir den Preis schönrechnen? Im Hintergrund greift der Jorge heimlich still und leise zum Telefon. „Ej du, hier will eine junge Studentin glaube ich dein Bild kaufen. Wie weit können wir runtergehen!?“ 😀 Er kommt zu mir und erklärt mir mit Händen und Füßen, dass er mir die Leinwand abziehen und in ner Rolle fürs Handgepäck mitgeben könnte. Wenn du willsr, läufst du hier gleich einfach mit deinem Bild raus. Full service.

„Okay, wie lange haben Sie noch auf?“
„20 min.“ (Lach)
„Morgen ist geschlossen, korrekt?“
„Ja, genau, ist geschlossen am 25.12.“
„Hm.“ (Funkelblitz à la Wilde-Sari-Aktion in den Augen)

Ich mach kurzen Prozess und sag ihm, dass ich’s nehme, aber schon seinen best price bräuchte.. 😀 Nimmt der eiskalt den Taschenrechner und tippt 300 ein. Das ist der umgerechnete Europreis, wenn ich’s auf der Stelle bar bezahl. Oah, es sind noch immer 300 Euro, aber bei dem Rabatt. Da musste ich es umso mehr tun. Ähm ja, wo ist denn der nächste Bankautomat? Natürlich direkt gegenüber in dem 10 Quadratmeter Kiosk-bzw.-möchte-gern-Supermarkt. Ist der einzige auf dem ganzen Hügel. Ja ok, dann bis gleich. Erstmal 220.000 pesos im Supermarkt zwischen Gurken und Chips abgehoben. 😀 Zack, war ich wieder da. Der Händler ist maximal beeindruckt. Dass ich das wirklich durchziehe, hat er nicht gedacht. Ganz cool bin ich nicht, eher leicht bis Parkinson zittrig. Aufgeregt eben. Mein erstes Bild. „Fröhliche Weihnachten!“, sagt Thomy und drückt mir einen Knutscher auf die Backe, weil er sich für mich freut. Hihi 🙂


Unser Weihnachtshappening war ein voller Erfolg. Mit Franzosen, Argentiniern, Amis, Australiern und Briten haben wir gegessen, gewichtelt und getrunken. Vor allem aber viel gelacht. Heute, der 1. Weihnachtstag, war auch wieder ein Volltreffer. Es ging vor der Weiterfahrt nach Santiago nach Viña del mar. Praktisch das Florida von Chile. So coole Promenaden und dicke Palmenallées. Die scheinen’s zu haben. Und oooah die Küste. Wir saßen ne Stunde nur auf den Felsen und haben unsere private Watching-Session abgehalten. Pelikane, die senkrecht ins Wasser düsen und Fische erbeuten, Robben, die in den Wellen herumtollen (xD). Das war was. Da musste Mathi mit seinem Tele richtig ran und tripple Anweisungen verarbeiten. Mathi, naher Pelikan auf 12h, Mathi, rechts von dir die Robbe. Mathi, guck mal da hinten der Schwarm. Hasse, hasse? 😀 herrlich…

Und fleißig waren wir auch. Eine riesige Düne wollte schließlich noch erobert werden. 😉 Nachdem wir beim ersten Anstieg von ganz unten nach 5 m in Flip Flops nach wegbrennender Fußsohle kläglich aufgaben, fanden wir tatsächlich noch einen einigermaßen machbaren Zugang. Heiß und anstrengend war’s trotzdem, aber was für ein Ausblick über die Stadt. 🙂 Runter hat’s natürlich richtig Bock gemacht, da hieß es nur noch Schuhe aus und runnerrennen xD

 

Feliz Navidad

Kurz vor Weihnachten ist Chile wie ausgestorben. In den Örtchen ist wenig los, keine Touris weit und breit. Unsere Ausflüge werden daher immer entspannter. ZB. der ins Elqui-Tal. An Weinbergen vorbei geht es zu drei Ur-Dörfern. Auf kleinen Märkten, Künstlerpassagen oder zwischen Omi und Opi auf der Parkbank fühlen wir uns pudelwohl. Hier ist die Welt aber sowas von in Ordnung – und hat fast schon italienisches Kleinstadt-Flair. 

 

Im letzten Dorf wird Mittagspause gemacht. Eine gute Entscheidung, auch wenn der Wirt erstmal keines der 50 Getränke zu haben scheint, die auf der Karte stehen. 😀 Hauptsache „Pisco Sour“ ist available – ein chilenischer Aperatif im Sektglas, den man wohl getrunken haben muss, bevor man Chile wieder verlässt. Unsere Daumen kriegt er. Wirklich lecker, aber mit echt gutem Drehmoment. Bevor das Essen kommt, sind Thomy und ich schon gut drauf. Wie enzückend, dass Mathias zurückfährt. Als unser überdimensionales Chile-Bier aus der Region (el cervecum lagerum) kommt, denk ich mir das umso mehr. Wir sind aber auch absolut nix mehr gewöhnt… Nach einer weiteren ungewöhnlichen „Salat-Kreation“ – Avocadobatzen mit Tomate pur 😀 – setzt sich die Kette der Überraschungen bei einem Verdauungsspaziergang fort. Ein cooles Grafiti nach dem anderen an den Häuserwänden: die hätten wir hier nicht erwartet. 


Die Nacht verbringen wir in Los Villos, ein völlig totes aber schnuckeliges Kaff direkt am Meer. Durch Zufall und Verhandlungsgeschick in einem Hostel, das fünf Klassen über dem Standard liegt. Joachim, der Halbfranzose, nimmt eigentlich 70.000 Pesos für allle 4, für uns macht er 40 draus. Mit allem drum und dran: Ruhigem Innenhof, Schweizer Balkon xD, Frühstück mit Rührei und frischen Früchten. Zudem lässt er uns seine private Hightech-Küche benutzen. Spätestens jetzt ist klar: Die nächste Wohnung bekommt sowas von nen Gasherd. Naja egal. Viel wertvoller als die ganzen Extras war der Typ an sich. Man hat ihm irgendwie sofort angemerkt, dsss er super spannend, gebildet und multikulti ist und ne abgedrehte Lebensgeschichte haben muss. Und die habe ich natürlich auch noch, investigativ wie ich bin :D, rausgefunden. 1981 hat er zu Diktatur-Zeiten Anti-Flugblätter verteilt, wurde angeschossen, festgenommen und 8 Monate lang gefoltert. Dann setzte man ihn in eine Maschine nach Paris und verbannte ihn 7 Jahre aus Chile. Ohne ein Wort französisch, Family oder sonst was schlug er sich durch – mit ca. 20 verschiedenen Jobs. Dann landete er bei British Airways und erkundete von Paris aus die ganze Welt. Als vor drei Jahren sein Vater starb, dem damals das Hostel gehörte, kehrte er nach Chile zurück. Seitdem lebt er 6 Monate in Chile und 6 in Paris. Weil es ihm gefällt und weil er’s kann. Am besten war, wie er selber lachen musste, als er uns erzählt hat, dass er in Frankreich zwei Töchter hat – von verschiedenen Müttern. Alter Casanova :DDD

Jetzt sitzen wir gerade in Valparaíso – und können irgendwie gar nicht glauben, dass bei euch Heiligabend schon durch ist. Auch wenn es bei uns heut nur ein Christmas-Festessen im Hostel gibt, wünschen wir euch allen ganz frohe Weihnachten :))) Ich hab mich gerade schon höchst persönlich beschert – mit einem Bild aus ner Kunstgalerie 😀 Man wird alt. Das konnte ich aber einfach nicht an der Wand hängen lassen. Wir sind gespannt, was das noch an der Grenze gibt… Vo vll brauche ich da noch eine kleine rechtliche Zoll-Recherche von dir (hupala).

Gestrandet

Die letzten 2 Tage haben wir mal wieder vieles richtig gemacht. In unserem Hostel in Caldera herrschte gleich mal echtes Neuseeland-Feeling. Überall gemütliche Sessel, kleine Pflanzen, ein fettes Esszimmer mit integrierter Küche. Cool, cool, cool. Getoppt wurde die Ausstattung nur von unserer Parkposition direkt im Chillout-Bereich. 😀 Das nenn ich mal nen Service.

Zum Abschied warf die nette Putz- und Frühstücksfrau noch mit Merry-Christmas-Säckchen um sich, sodass wie jetzt für ganz Chile mit Bonbons versorgt sind. Richtig von der Stelle kamen wir aber erstmal nicht. Penetrante „Hünda“ 😉 versperrten den Weg. Nicht dass die iwie über die Straße wollten oder so. Nee. Das war voll die mutwillige Blockade xD Guckten und bellten uns an und sind immer wieder zielgerichtet vors Auto gerannt, als wir uns gerade mal wieder nen Meter durchgekämpft hatten. Iwann haben wir nur noch wütend aus dem Fenster zurückgebölkt und Gas gegeben. Da konnten se plötzlich Platz machen, die Biester. Weil die uns jedes Mal verfolgen, besonders mich, kursiert schon das Gerücht, ich würde hinter dem Rücken der anderen eine Salami mit mir führen. 😀

Höhepunkt des Tages war unser Ausflug ins Humboldt-Reservat. Nach 75(000) km durchs Nichts sehen wir ein vielversprechendes Schild. Oh, hier gibt’s auch Whale-Watching. Wie geil ist das denn?! Wir hätten uns auch mit Pinguinen und Delfinen abgegeben. Nehmen wir. Kriegen wir aber nicht. Der Bock des Tages: Es ist zu windig – die Boote fahren nicht auf die Tierinsel. Zuerst wird sich noch hart beschwert: So windig ist es doch gar nicht. Als wir die mini Holz-Bötchen sehen, wissen wir’s besser. Wellensicher ist anders xD

Naja dann eben keine Tiere. Das bunte kleine Fischer-Örtchen ist so süß – macht nix. Erkunden wir halt die Gegend und versuchen rauszufinden, warum da hinten bei den Kiddies am Ufer ein dickes Lama steht. Es bleibt ein Rätsel. Immerhin gibts mit dem hässlichen Vieh ein Foto, bei dem wir total von den aufgedrehten Raufbolden belästigt werden. Einer zeigt immer wieder auf mich, dann wird sogar mit ner Video-Kamera draufgehalten. Hab ich n Kotelette an der Backe, oder hat der noch nie ne Echthaar-Blondine gesehen? 😀 Völlig bekloppt. Als die kleinen Köttel erfahren, dass wir aus Deutschland kommen eskalieren die völlig:
Die: „Marco Reus, Marco Reus?“
Wir: „Jaja, genau. Deutschland ist das Land mit Marco Reus.“
Die: „y Mario Götze?“
Wir: „Ja, auch der ist aus Deutschland.“
Die: „wow!“
Krass, dass das tatsächlich die Info ist, die am anderen Ende der Welt hängen bleibt. Mit einem kleinen Einwurf, dass die beide vom BVB geformt worden sind, verabschieden wir uns. So viel Zeit für Bildung muss sein. xD

 

In unserer Schlaftown angekommen, werden wir vom Verkehr erschlagen. Was ist das bitte für eine Riesenstadt!? Wir dachten hier gibt’s wie immer n paar Straßen und könnten daher nach unserem angepeilten Hostel fragen. Pustekuchen. Getrieben von den hupenden Scharen hinter uns fahren wir wild im Kreis xD Wir stecken alle Hoffnung in eine Touristen-Info oder ein W-lan Café. Unmöglich. Noch nichtmal anhalten kann man hier. Irgendwann geben wir auf. Ich erblicke ein Hotel und will da einfach mal nach dem nächsten Hostel in der Nähe fragen. Tür auf, blickt mich eine 90-Jährige Omi mit Buckel an. Holaaaa! 😀 Als ich nach einer mapa frage, versteht sie erstmal nur Bahnhof und weiß gar nicht, wie sie mir helfen soll. Aber sie will es unbedingt. Also führt sie mich in einen Raum mit einer riesigen Landkarte an der Wand. „Esta Chile!“ sagt sie – und zeigt auf das Land, in dem ich mich gerade befinde. :DDD So weit war ich schon, aber ich brauche ne mapa für mein coche (Auto) von der ciudad (Stadt). Aaaah, sie hat eine andere Idee, breitet mir alle Flyer der Rezeption auf ihrer Theke aus und sucht zwischen Freizeittipps und Touranmeldungen nach Hilfe. Und tatsächlich: Mit einer 3x3cm großen Karte der Innenstadt und 10 Danksagungen beim Rausgehen komm ich wieder zum Auto. „Was bringt uns denn die Karte, wir wissen doch gar nicht, wo wir sind!“ Hm.. da ist was dran. Ja wo sind wir denn? Ich schaue auf die Hausnr. des Hotels und lese vor. „Da steht ganz klein drunter: E. de la barra.“ „Nein?!“, lacht sich Rici kaputt. „Das ist die Straße von dem Hostel.“ xD Mal ehrlich, wie wahrscheinlich ist das bitte? 😀

 

 

Wir fahren zwar noch 15min im Kreis, weil unsere Hausnummer super versteckt in ner Nebenstraße ist, aber ein Parkplatzwächter zeigt uns letztendlich den Weg. Dann kommt, was kommen musste. Das Hostel sieht wie ein super schniekes normales Wohnhaus aus, ist aber voll. Sagt zumindest die aufgetakelte Sauna-Club-Frau, die gerade aus der Tür kommt. Na gut. Ist wohl zu „exklusiv“ für uns. 😀 Was jetzt? Fragen wir doch mal den netten Parkplatzwächter. „Da oben ist ein super billiges, nettes Hotel. hier links und dann rechts über die Ampel. Das könnt ihr mal probieren. Dann stehen wir vor dem Ding… und es ist das Hotel der Omi :DD ahahahahahah. Ich lieg.

Ja, da kann man sich dem Schicksal ja nicht in den Weg stellen. Wir schlafen bei der Omi – in einer mega Landhaus-Mansion mit eigener Etage für nur 42.000 Pesos, also 56 Euro zusammen. Später sollte sich noch herausstellen, dass das ein Versehen war. Die Omi ist wohl in der Zeile verrutscht – oh man ;D So süß war die. Als sie uns die Handtücher brachte und ihr Arm dabei fast abbrach, wollte man sie einfach nur knuddeln. Und ihre Schwester war genau so geil. Sagt die mir auf der Treppe, dass meine lässig getragenen Schnürsenkel auf sind und ich mich ja nicht verletzen soll. Zack, da geh ich doch sofort auf die Knie und richte das. 😀

Nach einem Spaziergang durch unser echt schönes Viertel, einem Marktbesuch (inklusive Weihnachts-Geschenkpapier-Schwarzmarkt, bei dem – begleitet von permanentem Gebrüll – alle paar Meter auf dem Boden Berge von Rollen, Tüten und Schleifen angeboten werden :D) und einem schnellen Snack schlafen wir wie auf Watte. So ein gutes Bett und Bad hatten wir hier noch nie.

 

 

Ich muss Pipi!

Huiuiui. Was eine Ankunft in Antofagsta. Unser erster Gedanke: „Zum Glück ist das nur ein kurzes Rein und Raus hier…“ So ein runtergekomenes Riesen-Ghetto und wahrhaftig eine drecks Arbeiterstadt á la Detroit. Oder, um es in Thomas Worten zu sagen: „Ganz Antofagasta ist Sachsenring!“ 😀 Unser chilenische Sitznachbar, der uns auch netterweise durch das Bus-Wechsel-Chaos navigiert hat, sagt, wir sollten gut auf unser Zeug aufpassen und bringt uns, was die neusten Trick-Dieb-Techniken angeht, auf den neusten Stand. Er fügt hinzu: „No taxi outside, no street walking here. Taxi en terminal al hotel y de hotel al aeropuerto.“ Alles klar, Charly. Seine Botschaft wird von dem Hochsicherheitsempfang im Busbahnhof unterstrichen. Ein Polizist bewacht das Eingangstor und lässt nur autorisierte Busse und Taxen rein. Da wird einem schon ein bisschen mulmig.

Als unser autorisiertes Taxi kommt, müssen wir allerdings lachen. Ein 60-jähriger Chilene steigt aus einem gepimpten Toyota. Nur plötzlich aufblinkende LEDs hinter der Scheibe suggerieren, dass DAS ein Taxi sein soll. Der Kofferraum geht auf – alles komplett blau beleuchtet. Plus riesen Subwoofer, der gefühlt 1/3 des Platzes einnimmt. Was n Gangster! xD Auch die Fußräume sind farbig komplett am Abfeiern. Mit halb offenem Kofferraum (wegen des Subwoofers hat natürlich nich alles reingepasst) geht’s Richtung Hotel. Aber alles seguro (also sicher) señorita. Jajaja, klar 🙂

Am Hotel. Wir klingeln an einer verschlossenen Tür. Durch ein gitterartiges Fenster kann man drinnen – im einem Glaskasten, hinter einer weiteren verschlossen Tür – die Rezeptionistin sehen. Die sitzt wiederum vor einem Bildschirm mit 15 Überwachungskameras. Scheint hier ja echt zu laufen. 

Nachdem wir uns alle penibel mit Unterschrift und Pässen eingetragen haben, führt uns die Dame durch eine – nennen wir sie mal – Halle zu unseren Zimmern. Stark, dass es hier mit Rohren und diesen gelben Treppen aussieht wie in einer Fabrik. Aber egal, die Zimmer sind ok, wenn auch für den Zustand super überteuert. Hauptsache endlich eine Dusche! Denkste. Eiskaltes Wasser. Auuuua, wir möchten das nicht. Sachen wieder an und zur Rezeption. „Ach schon wieder kein Aqua caliente?“ stöhnt es hinter der Scheibe. Na gut, sie nimmt die Taschenlampe, krempelt die Ärmel hoch und verschwindet im Dunkeln, die Wendeltreppe hoch (, die selbstredend hinter einem Holz-Sichtschutz versteckt ist). Um 0.20h ist es tatsächlich vollbracht. Wir stehen unter einen warmen Dusche! Gute Nacht.

 

 

Im Taxi zum Flughafen haben wir mit Helmut (Name wurde geändert) am nächsten Morgen Spaß. Der kaum spanisch sprechende Englischlehrer aus Jamaika, der früher in Wiesbaden gearbeitet hat, ist auch nicht so begeistert von Antofagasta. Also wird ordentlich abgelästert. 😀 Aber… als wir unser Auto am Flughafen bekommen, kann man zumindest festhalten: Autos vermieten, dat können se. Vor uns steht ein neuer, schnieker Hyundai. 5,5 l Verbrauch, riesiger Kofferraum für unsere Rucksäcke, Aux-Anschluss und nur 5000km weg. Jackpot! Auf dem Weg raus aus der Stadt fahren wir entlang der Küste über eine Urlaubs-Promenade. Hier geben alle paar Meter Leute beim gerade stattfindenden Marathon auf. An roten Ampeln gibt’s Cheerleader- und Jongliervorstellungen statt aufdringliche „wolle Scheibe waschen?“-Menschen. Finally! Die schöne Seite von Antofagasta. 

 

 

Knapp 5,5h geht’s auf dem Weg nach Caldera wieder durch die Wüste. Immer geradeaus. Rauf und runter. Die Meinungen, ob das cool sei, gehen im Auto auseinander. N geiler Anblick ist es aber gepaart mit den Trucks, die uns entgegenkommen, auf jeden Fall. Hier und da approachen wir zur Abwechslung die Küste und können Wellen gucken. Verrückt wie nah Wüste und Meer hier beieinander liegen! 


 

 

 


15km vor dem Ziel der Superfail. Wir sind 2h schneller als geplant und können Caldera praktisch sehen. Der Strand, der traumhaft schön sein soll, da hinten am Horizont ist er! Es ist 16h – da kann noch ordentlich Sonne abgegriffen werden. Perfekt, zumal bald meine Blase platzt. Als Mathi sich von den billigen Plätzen über das Schild mit dem Männchen und der wedelnden Fahne lustig macht, nehmen wir noch an, dass wir in 15 min da sind. Weit gefehlt 😀 Einspurige Baustelle, wir müssen warten, bis die Chilenin in Bauarbeiterkluft das Stoppschild umdreht und alle Autos von der anderen Seite durch sind. Das wissen wir so genau, weil Thomy erstmal schön bis vor das Hütchen fährt, wo gleich der Gegenverkehr rausgelassen wird, dass sie uns darüber aufklärt. 😀 Rückwärts stellen wir uns vor einen „geparkten“ Wagen in die erste Reihe. 10 Minuten später stellt sich heraus, dass da jemand drin sitzt und auch wartet. Der ist nur so klein, dass der gar nicht übers Lenkrad hinausragt xD Wir haben noch Humor. Die Stopp-Schild-Befugte trägt mit ihrem nicht näher zu identifizierenden Tanzstil, der alle paar Minuten ausbricht, dazu bei. Endlich geht’s weiter. Jetzt aber. 6km später Baustellenende. Zu früh gefreut, eine Kurve später das gleiche Spiel: Flaggenschild. Warten. Neeeeeein!!! Geh ich jetzt schnell hinter dem Fels Pipi machen? Ach nee, die sind doch bestimmt so schlau, dass das jetzt sofort weitergeht, wie bei ner grünen Welle. Wie naiv. Natürlich nicht. Aber je länger die Uhr tickt, desto weniger trau ich mich noch zu gehen. Ah ja, endlich, da tut sich was. Weiter geht’s. Jetzt aber schnell, wir haben schon ne 3/4 Stunde verloren. Kurve. Argh! 3. Fullstop. UND KEIN FELS weit und breit. Kacke 😀 Diesmal dauert es wieder 20 min, bis wir weiterdürfen. Um die Laune hoch – und das Pipi in der Blase – zu halten liefern Thomy und ich uns ein Rap-Battle zu Lose yourself von Eminem. 😀 Was solln wir auch machen? Unsere Playlist ist so langsam am Ende. 

Endspurt. Wir sind am Ort, finden sogar ein Schild zum Strand. Da ist er, ab auf den Parkplatz zu den anderen Autos. Wums, wir stehen. Was ist los? Ja sichi xD Wir stecken auf dem dritten Meter im Sand fest xD Das gibt’s doch jetzt nicht. Mathi ans Steuer, wir drei graben, bauen eine Rampe aus rumfliegender Pappe und schieben. Wuay geschafft, wir sind auf dem festen Stück und können die letzten 50m zum Strand machen. Ohne mich xD Ich renne hinter den nächsten Busch, der 30 cm hoch ist. Egal, ich bin wieder aufnahmefähig. Das feiern wir an einer der coolen Strandbars mit einem Bier – und einem riesigen Meeresfrüchteteller. Joa, mit Ansage rächt sich das natürlich bei Thomy und mir noch mit der absoluten Flitzekacke xD Zu unserer Verteidigung: Als wir den Teller am Tisch weiter entdeckt haben, dachten wir, der Berg Calamaris seien Pommes.. 😀 😀 Bereut wird trotzdem nix. Lecker war’s. Richtig gut war auch Ricis und Mathis Bestellumg: N Salat sollte es sein. Erst musste Rici Mathias ewig überzeugen, dass der auch ohne Hähnchen ganz lecker sei. Dann trug Mathi minutenlang einen Kampf mit sich aus, ob er denn noch Pommes dazu bestellen sollte. Am Ende blieb’s bei dem Salat. Und als der serviert wurde, hättet ihr Ricis Gesichts- Starre sehen sollen. Das war alles mögliche, aber kein Salat in unserem Sinne 😀 Ganz vorsichtig fragt der Kellner, ob alles ok sei. Rici sagt mal einfach ja und probiert. Der Kellner bleibt sicherhaltshalber mal noch ein bisschen stehen und fragt dezent nach, ob sie sich da ganz sicher sei xD Aber schmeckte wohl tatsächlich. Was es auch immer war. 

 

 

Die Wüste kostet

My dear Atacama. Was soll man sagen? Hammer Location außerhalb, innerhalb überfüllt von Touris, die mitten in der Wüste auf alles angewiesen sind. Und da die Chilenen ja nicht doof sind, gilt generell eher das Motto: wenig bekommen für viel Geld. „Das Sölden von Chile“, titelt Thomas.

Schon die Hostel-Suche ist nicht so einfach, wie gedacht. Teilweise werden doppelt so hohe Preise wie in Argentinien verlangt – für ein Bett in der 3. Hochbett-Etage auf 4 Metern. Stock dunkles Zimmer. Oft ohne Frühstück und Küche, dafür mit mächtig vielen Fliegen oder Müll im Innenhof. Smekkt nich! Nach ergeizigem Abklappern finden wir ein Hostel, das auf uns noch den besten Eindruck macht. Hier gibt’s saubere Toiletten, ein 1a geputztes 4er Zimmer und einen netten, ruhigen Innenhof mit Hängematte. Die Besitzerin ist zwar etwas komisch und irgendwie scheint die ganze Family in anderen Zimmern zu hausen (mit nix außer einem gefühlten 50-Zoll-Fernseher) 😄, aber kann uns ja egal sein.

Nach erfolgreicher Heimsuche gönnen Thomas und Sari sich noch ein dekadentes Essen in einem der super schönen Restaurants – da haben sich manche echt was einfallen lassen. In diesem Fall hat man aus einer Wellblech-Hütte in typisher Hangar-Form ein Holz-Bambus-Paradies mit großen Lehm-Öfen und entspannter Clubmusik gezaubert. Einmal Lomo, einmal Lachs, zweimal Caipirinha. Wir sind wieder glücklich! 😀 Auf dem Nachhause-Weg machen wir noch einen Abstecher, um ein bisschen Sterne zu gucken. So viele auf einem Haufen: unfassbar. Noch nie gesehen! Wir suchen was zum Sitzen, hauen uns gemütlich auf eine Mauer… und werden nach nur 10 sek verscheucht. „Man was sind die Chilenen unfreundlich“, denken wir uns. Bis wir checken: whoops, das war eine Kirchenmauer xD

Die erste Nacht verläuft super angenehm. Nur am Morgen krieg ich die Krätze. Alles juckt und hier und da zieren kleine rote Bisse, schön geordnet in einer Reihe, meinen Körper. Der naheliegende Floh-Verdacht verfolgt mich den ganzen Tag, bestätigt sich aber nicht. Schon am Abend ist alles wieder abgeklungen. Hat sich wohl irgendein Viech in den Schlafsack verirrt.

Ist auch besser so. Denn heute ist unser großer Ausflugstag. Erst geht’s mit dem Fahrrad zu einer Lagune – am nachmittag steht das geführte Tour-Highlight, das Moon-Valley, an. Erst hatten wir noch in den Raum geworfen, beides mit dem Fahrrad zu machen. Hallelujah, dass wir das nicht durchgezogen haben. Nach 5 min detektiert Sari aufgrund ihres wurstigen Fitnesszustandes erste Erschöpfungsanzeichnen. Und mein Hintern. Meine Güte, war der Sitz vllt hart für meine spitzen Knöchlein. Nach der ersten halben Stunde ist die Popo-Prellung schon fix 😀

Egal. Die „Laguna cejar“ ist es wert. Sie besteht aus drei kleinen Salzseen. Einem zum „Flamingos gucken“, einem zum Umlaufen aka. Schuhe-Versauen und einem zum Baden. Thomy ist bei letzterem skeptisch, um nicht zu sagen „abgeneigt“. Einen Meter weit sieht man den Felsen zum Einsteigen, danach Abgrund: dunkel, dunkel blaues Wasser, sonst nichts. „Mir wird schon beim Zugucken schlecht. Hier drin soll man baden?“ Aber hallo. Beim Austesten stellt sich heraus: in dem kleinen Planschbecken schwimmt man permanent auf der Oberfläche. Krasser als beim Toten Meer. Auch die kleinen „Penisfische“ tuen niemandem weh. Also wagen sich alle rein. Eine willkommende Einladung um rumzublödeln. Die Ergebnisse seht ihr hier. (Später erfahren wir noch, dass das Wasser tatsächlich 13 m tief ist. Gut, dass das erst nachher rausgekommen ist. 😀 😀 :D)

Nach der Rückfahrt, die mich kaum überforderte und emotional zermürbte, einer ausgiebigen Siesta zum Erholen und diversen Salz-Entfernungs-Operationen steht der Ausflug ins berühmte „Valle de la luna“ an. Stop 1: Ein kurzer Höhlen-Trip. Ohne große Vorwarnung gehts rein ins Schwarz, was wäre ich nur ohne mein iPhone Licht. Und dann wird plötzlich gekrabbelt, im Entenschritt gekraucht und geklettert. Thomas mit seinen 1,91 erwischt es besonders hart. Aber ganz legère macht er das in seinem feinen Hemd, als wäre nichts gewesen. Ein Model unter Tagen 😀 Wieder am Tageslicht haben wir einen mega coolen Ausblick auf Felsformationen. Wie schade, dass absolutes Gegenlicht herrscht. „Kein Problem“, sagt Enrike (das meint der so geschrieben wirklich erst), unser Latino-Poser-Führer, und grabscht nach meiner Spiegelreflex. Tatsächlich: keiner weiß, was er da genau macht, wild rumfuchtelnd, die Kamera überall hinhaltend, nur nicht zu uns. Aber am Ende haben wir ein 1a Gruppenfoto ohne schwarze Gesichter und gestochen scharf. Was n Held!

 

Am Stop 2 wird es wieder mal anstrengend, ganz im Zeichen des Tages. Ein Marsch zur großen Sanddüne. Wir laufen und laufen, super starker Wind und Sand überall. Und dann… Wie heftig ist das bitte!? Man durfte ja schon einiges sehen im Leben, aber dieser Anblick – kraaaaaass. Das richtige Panorama von dem Tal mit Mondlandschaft muss ich leider mit Photoshop zusammen schustern und daher nachliefern. Aber auch so sollten die Bilder schon ein bisschen zeigen, wie super das war.

Als wir uns alle wieder eingekriegt haben, geht es zurück in den Bus zum Death Valley. Klingt trügerisch spektakulär, war’s aber nicht :-). Zu sehen gibt’s nicht viel, stattdessen eine blutrünstige Geschichte vom entscheidenden Battle der einfallenden Spanier zu hören. Also schnell weiter zum Coyote Canyon, der angeblich so heißt, weil er als Vorlage für die Looney Toons Comics mit Roadrunner und Coyote diente. Hier warten wir auf den Sonnenuntergang, der natürlich … super gewöhnlich ist. 😀 Vll liegt es aber auch an dem langern Tag. Die Landschaft ist mal wieder Bombe – sowohl vor als auch vor dem Sonnenuntergang. Wir stehen direkt auf einem Felsvorsprung, unter uns kommt lange nichts und dann wieder diese unfassbae coole Mondlandschaft. Foto-Session, Foto-Session! Nachdem Enrike Rici und mich abgelichtet hat, willigt Thomas für ein Partner-Shooting ein – aber nur unter der Voraussetzung, dass ich am Rand stehe xDD Bester Move.

 

Und wenn man schon einmal am wunderschönen Arsch der Welt ist, bei perfektem Licht in der blauen Stunde, was macht man da? Claro que si: Ein Foto, das man nie vergisst. Und das ist in meinem Fall das hier :)))

(Christa, es tut mir leid. Du hast meine Herz-Hose so perfekt repariert einen Tag vor Abflug, ich hab sie unter tobendem Applaus der Leute bei der Action gekillt – und schätze sie ist nicht wiederzubeleben. Aber wie könnte eine Lieblingshose besser drauf gehen als so?!)

Zurück in San Pedro haben wir nach all den Abenteuern und der Anstrengung hunger. Aber wie. Wie gut, dass Mathi und Rici einen Hähnchen-Imbiss erspähen, in dem nur Einheimische sitzen. Brechend voll, alles besetzt, bis auf einen einzigen 4er tisch. Natürlich, wie immer geht für uns alles glatt. Das knusprigste und zugleich zarteste Brathähnchen sowie die riesigste Portion Pommes meiner fast 25 Jahre Fress-Laufbahn liegt vor mir. Welch göttliche Kombi xD Oben drauf gibt es noch eine selten schöne Sprite Flasche, von der Mathias noch lange Zeit schwärmen soll. Die war aber auch schön, du 😀 Tja. Der Laden hat uns so überzeugt, dass wir am nächsten Tag, an dem wir bis zur Busfahrt nach Antofagasta nur organisiert und Sachen gepackt haben, mittags nochmal zuschlagen. Wir sind damit jetzt neue Lieblingskunden von der netten, fast mütterlichen Bedienung und gleichzeitig Experten im chilenischen Fußball. Der läuft hier nämlich nonstop im TV. Genau wie Gladbach gegen Augsburg – hä?! 🙂

Davon ab war der Tag bislang eher von kleineren pleiten bzw. Chaos-Verursachern geprägt. Gleich am morgen hatten wir einem Strom- und Wasserausfall im ganzen Dorf. Ist wohl so rar alles, das wenn alle Touris gleichzeitig zulangen, das Kraftwerk kollabiert. Das sei hier nicht nur normal, sondern sicher, sagte uns die Hostel-Besitzerin. Hupala, gut, dass wie hier zweimal am Tag duschen und unsere Sachen waschen 😀 Unser Bus kam um 16.30h dann auch nicht wie geplant. Wir mussten einen anderen nehmen, der uns in die nächste große Stadt fägrt und von da in einen anderen in Richtung Antofagsta steigen. Aber auch das hat geklappt. 

Der Parmesan-Gate und die Pampa

Nach einem perfekten Lomo-Steak, einem verheerenden Toilettenaffron, bei dem Mathi und ich parallel zwei WCs fachmännisch außer Betrieb nahmen, und einer Nacht im abfärbenden Zimmer (danke, ne :D) ging es gestern weiter mit unserem Nord-Trip.

Stop 1: der berühmte „siete colores“ Berg in Pumamarca. Abenteuerfreie Zone zur Abwechslung. 😉 Ein 3km Rund-Track mit Blick auf rote, grüne, lilane Berge liegt direkt am Ortseingang. Sogar ausgeschildert! Trotzdem gibt’s richtig was zu sehen – und am Ausgang was zu shoppen. Auf dem Markt wird zugelangt. Meine ersten Souvenirs (eine Reisetasche und ein richtig cooles Lamatuch) sind eingeheimst. Thomy hat mir dazu noch ein passendes Portmonnaie-Täschchen gekauft, Weihnachten liegt also doch in der Luft 🙂

Es folgen kleinere Komplikationen. Unser Hauptziel, eine kleine Salzwüste nahe der Bolivischen Grenze muss noch etwas warten. Denn nach ein paar km merken wir, dass wir uns im ab-so-lu-ten Nichts befinden – ähnlich wie unsere Tanknadel. Von der km-Zahl her sieht’s schon schlecht aus. Bei den Serpentinen, die wir hier permanent erklimmen (juhu, sari kann sich im Kart-Modus á la Vadder austoben) wird das erst recht nix. Also sofort mal den nächsten polizisten angequatscht. Die sind hier wirklich überall, hilfsbereit und sorgen hin und wieder bei mir für einen erhöhten Adrenalin-Fluss, wenn ich beim Fahren mal wieder keine Schuhe anhabe. Aber ich schweife ab. Das Gesicht des Polizisten verrät schon: Tankstelle… puh. „Da müsst ihr in die andere Richtung nach Ticara, hier kommt weit und breit nix mehr“ xD Gut, dass das der Ort ist, in dem wir gepennt haben. Was ein Nuts, aber es nützt ja nix: rums, 30 min zurück und die gleiche Strecke wieder hin. Kann weitergehen.

Die letzte Stunde zur Wüste ist echt ein Highlight – und definitv kein guter Ort zum Liegenbleiben. Also alles richtig gemacht. Meilenweit nichts: nur mal hier ein Lama, da ein Esel oder ein Souvenirverkäufer mitten in der Prärie. Wo die auch immer herkommen und was sie sich auch immer davon versprechen, stundenlang in der Hitze in einer Kurve im Nirgendwo zu hocken. Nur ein paar Kurven weiter finden wir nen Tierkadaver – einen Esel hat’s dahin gerafft. Ganz schön spooky, son Esel ohne Augen aber mit Zähnen. Wilkommen in der Wüste.

Sonnenbrille auf, ab aufs riesige Salzfeld. Lkws und Bagger sind eifrig am abbauen, wir am Fotografien. Rausgekommen ist eine witzige Session, vor allem dank Thomys Arafat-Auftritt und Mathias Mate-Tee-Becher. Das ist das argentische Getränk bzw. der argentinische Zeitvertreib schlechthin. Schmecken tut’s, find ich, schrecklich – Rici spricht auch liebevoll von einem Aschenbecher-Flavour xD – als Requisite fungiert „der Gerät“ allerdings 1a.

 

 

Auf dem Rückweg geben wir Gummi, schließlich muss der Wagen um 21h wieder auf dem Vermiet-Parkplatz stehen. Und zwar am Besten ohne die Offroad-Rallye-Spuren am Kotflügel. 😀 Um unseren victorianischen Ausflug (und unseren Krümmel-Unfall mit den Keksen) zu verbergen, fragen wir uns zur Auto-Waschanlage durch. Die stellt sich dann als super dubioser 2-Mann-Hinterhof-Betrieb heraus. Der Firmenname schön in Graffiti an die Hauswand geklatscht. Machen wir’s oder machen wir’s nicht? Außen- und Innenwäsche, heißt Auto offen lassen: 40 Minuten solls dauern, aber nur umgerechnet 4 Euro kosten. Ach komm: Wertsachen raus, Türen auflassen, aber Schlüssel mitnehmen. Was soll schon groß passieren? Nix, wie sich herausstellt. Als wir zurückkommen, erkennen wir unser Auto kaum wieder. Blitzblank. Innen, außen. Sogar die Amaturen sind mit sonem geilen Pflegezeug eingerieben, weshalb Thomas den Typen am liebsten nach Deutschland importieren würde 😀

Die Herausforderung des Tages sind, wie das immer in größeren Städten ist, die letzten Meter innerorts im Straßenverkehr. Hier regiert das Chaos und ganz sicher keine Vorfahrtsregeln. Fahren darf jeder, der selbstbewusst genug in die Kreuzung fährt und/oder hupt. Spuren gibt es auch keine, alles fährt kreuz und quer, v.a. Motorradfahrer, die jede Lücke nutzen. Aber auch das klappt. Weiß man einmal wie’s läuft, reduziert sich der Schweiß in den Händen und es wird selbst wild drauf los gehupt. Gefällt mir eigentlich ganz gut xDDD

Zurück im Hostel, sind alle fix und fertig aber glücklich. Um 22h oder so kämpfen wir mit 1,5 kg Fleisch ohne scharfes Messer und einem Berg Bratkartoffeln ohne Öl und ordentlicher Pfanne. Ok, der Speiseplan ist vll angesichts der Ausstattung nicht so ausgereift gewesen, aber es existierte halt Bock. 😀 Und am Ende des Tages, so nach ner Stunde liegen halt doch noch n Steak und die Patatas auf unserem Teller. Check.

Es hätte damit so friedlich zu Ende gehen können, aber aus dem Nichts taucht plötzlich der Endgegner des Tages auf. Ein 50-jähriger französisch sprechender Spanier eskaliert völligst und kann einfach nicht verstehen, wieso wir unbedingt noch unsere Rucksäcke packen müssen. „Ähm… vll weil es 23:30h ist, wir gerade von nem Trip kommen und morgen um 6h zum Busterminal müssen, um weiterzuziehen?“ Spakko. 😀 Macht der einfach immer ohne Kommentar unser Licht aus und brabbelt sich was in den Bart, dass er sich beschweren will. Ja mei… so läuft das nunmal in nem 6er oder 10er Zimmer. Mehr als sorry sagen bzw. erklären, dass es nicht anders geht und wir so leise sind wie möglich, können wir auch nicht. Soll er sich halt n Einzelzimmer nehmen oder ne Schlafbrille und Oropax kaufen. Hab ich ihm dann auch morgens,vorgeschlagen, als er wieder aufmüpfig rebelliert hat. Tschüss, war töfte. So sind die Aggressionen jetzt auch abgebaut. 😀

– Der Pamesan-Gate –
Inzwischen bin ich wieder entspannt – auch die 4 neuen Mückenstiche aus der Nacht sind verarbeit. Den Text hier habe ich jetzt auf der Busfahrt nach San Pedro de Atacama (Chile) getipselt. Das heißt: Ich kann direkt fortfahren und von dieser durchaus einprägsamen Erfahrung berichten xD

Der erster Hammer blowt unser Mind schon, als wir aus der Stadt rausfahren – und uns die eingeschlagene Route nur allzu bekannt vorkommt. Es stellt sich heraus: 2/3 der Strecke entsprechen der von gestern zu den Salinas (, die wir ja wegen des Tank-Maleurs zum Teil schon doppelt fahren mussten). Dödöö. Gehen Sie direkt ins Gefängnis und ziehen Sie nicht über Los 😀

Weitaus gravierender ist allerdings die nasale Gestaltung der Fahrt. Ich weiß nicht, was es ist, ich tippe auf Mais…, aber die Südamerikaner lassen solche Bomben auf Klo los. Voll widerlich! xD Vor allem: Können die sich auf soner Busfahrt nicht beherrschen und ihr Geschäft vor- oder nachher erledigen? Im Minutentakt ist Armageddon angesagt – nice, dass wir genau am Treppenaufgang sitzen. „Ich möchte das nicht!“ 😀

Wen wundert’s: Als wir an der chilenischen Grenze aussteigen, bin ich erleichtert. Endlich frische Luft. Doch der Preis ist hoch. Über ne Stunde dauert die Kontrolle. Erst wird penibel aus Argentinien ausgecheckt, dann in Chile eingecheckt. Selbstredend gibt’s dafür zwei unterschiedliche Schlangen. Aber eben wirklich nur zwei – bei 80 Leuten. Bist du soweit gekommen, darfst du zurück zum Bus, dein Gepäck holen und kannst dich wieder anstellen. Diesmal für die Zollkontrolle.

Bestimmt könnt ihr euch vorstellen, wie langsam die Uhr tickt, wenn du dir nicht sicher bist, ob du kurz vorm Ziel wegen deiner Kellogs mit getrockneten Früchten – oder gar 10 gramm Parmesankäse für deine Nudeln – hopps genommen wirst, die du nicht declared hast. Thomas hatte den Käse erst auf dem Einreiseschein angegeben, dann dem Rat des Busfahrers folgend aber doch n neuen Zettel bekommen und nothing to declare angekreuzt. Das würde sonst zu viel Trouble um nichts machen… Besonders ernst nehmen können wir den Busfahrer allerdings nicht. Er schlägt Thomas ohne Witz vor, den Parmesan doch einfach schnell aufzuessen. Was ist bitte mit ihm? xDD Kurz vor dem Zollcheck haben wir Schiss, die Chilenen gucken aber auch böse drein. Wir schmeißen unsere kritische Ware 2 m vor der Kontrolle unauffällig in den Müll. Problem gelöst. Aber hauptsache ne Stunde Panik geschoben.

Ausgerechnet mich filzen die nach dem Durchleuchtungscheck von vorne bis hinten. Handtasche, Souvenirs, Rucksack und Klamotten: Alles wird durchwühlt. Nach Ewigkeiten kommt das ok. Juhu – alle vier sind in Chile. Irgendwie fühlt es sich knapp an 😀 Vll auch, weil wir noch kein Hostel reserviert haben und deshalb keine Adresse auf dem Einreiseschein angeben können. Aber das wurd dann sofort organisiert.