Die Wüste kostet

My dear Atacama. Was soll man sagen? Hammer Location außerhalb, innerhalb überfüllt von Touris, die mitten in der Wüste auf alles angewiesen sind. Und da die Chilenen ja nicht doof sind, gilt generell eher das Motto: wenig bekommen für viel Geld. „Das Sölden von Chile“, titelt Thomas.

Schon die Hostel-Suche ist nicht so einfach, wie gedacht. Teilweise werden doppelt so hohe Preise wie in Argentinien verlangt – für ein Bett in der 3. Hochbett-Etage auf 4 Metern. Stock dunkles Zimmer. Oft ohne Frühstück und Küche, dafür mit mächtig vielen Fliegen oder Müll im Innenhof. Smekkt nich! Nach ergeizigem Abklappern finden wir ein Hostel, das auf uns noch den besten Eindruck macht. Hier gibt’s saubere Toiletten, ein 1a geputztes 4er Zimmer und einen netten, ruhigen Innenhof mit Hängematte. Die Besitzerin ist zwar etwas komisch und irgendwie scheint die ganze Family in anderen Zimmern zu hausen (mit nix außer einem gefühlten 50-Zoll-Fernseher) 😄, aber kann uns ja egal sein.

Nach erfolgreicher Heimsuche gönnen Thomas und Sari sich noch ein dekadentes Essen in einem der super schönen Restaurants – da haben sich manche echt was einfallen lassen. In diesem Fall hat man aus einer Wellblech-Hütte in typisher Hangar-Form ein Holz-Bambus-Paradies mit großen Lehm-Öfen und entspannter Clubmusik gezaubert. Einmal Lomo, einmal Lachs, zweimal Caipirinha. Wir sind wieder glücklich! 😀 Auf dem Nachhause-Weg machen wir noch einen Abstecher, um ein bisschen Sterne zu gucken. So viele auf einem Haufen: unfassbar. Noch nie gesehen! Wir suchen was zum Sitzen, hauen uns gemütlich auf eine Mauer… und werden nach nur 10 sek verscheucht. „Man was sind die Chilenen unfreundlich“, denken wir uns. Bis wir checken: whoops, das war eine Kirchenmauer xD

Die erste Nacht verläuft super angenehm. Nur am Morgen krieg ich die Krätze. Alles juckt und hier und da zieren kleine rote Bisse, schön geordnet in einer Reihe, meinen Körper. Der naheliegende Floh-Verdacht verfolgt mich den ganzen Tag, bestätigt sich aber nicht. Schon am Abend ist alles wieder abgeklungen. Hat sich wohl irgendein Viech in den Schlafsack verirrt.

Ist auch besser so. Denn heute ist unser großer Ausflugstag. Erst geht’s mit dem Fahrrad zu einer Lagune – am nachmittag steht das geführte Tour-Highlight, das Moon-Valley, an. Erst hatten wir noch in den Raum geworfen, beides mit dem Fahrrad zu machen. Hallelujah, dass wir das nicht durchgezogen haben. Nach 5 min detektiert Sari aufgrund ihres wurstigen Fitnesszustandes erste Erschöpfungsanzeichnen. Und mein Hintern. Meine Güte, war der Sitz vllt hart für meine spitzen Knöchlein. Nach der ersten halben Stunde ist die Popo-Prellung schon fix 😀

Egal. Die „Laguna cejar“ ist es wert. Sie besteht aus drei kleinen Salzseen. Einem zum „Flamingos gucken“, einem zum Umlaufen aka. Schuhe-Versauen und einem zum Baden. Thomy ist bei letzterem skeptisch, um nicht zu sagen „abgeneigt“. Einen Meter weit sieht man den Felsen zum Einsteigen, danach Abgrund: dunkel, dunkel blaues Wasser, sonst nichts. „Mir wird schon beim Zugucken schlecht. Hier drin soll man baden?“ Aber hallo. Beim Austesten stellt sich heraus: in dem kleinen Planschbecken schwimmt man permanent auf der Oberfläche. Krasser als beim Toten Meer. Auch die kleinen „Penisfische“ tuen niemandem weh. Also wagen sich alle rein. Eine willkommende Einladung um rumzublödeln. Die Ergebnisse seht ihr hier. (Später erfahren wir noch, dass das Wasser tatsächlich 13 m tief ist. Gut, dass das erst nachher rausgekommen ist. 😀 😀 :D)

Nach der Rückfahrt, die mich kaum überforderte und emotional zermürbte, einer ausgiebigen Siesta zum Erholen und diversen Salz-Entfernungs-Operationen steht der Ausflug ins berühmte „Valle de la luna“ an. Stop 1: Ein kurzer Höhlen-Trip. Ohne große Vorwarnung gehts rein ins Schwarz, was wäre ich nur ohne mein iPhone Licht. Und dann wird plötzlich gekrabbelt, im Entenschritt gekraucht und geklettert. Thomas mit seinen 1,91 erwischt es besonders hart. Aber ganz legère macht er das in seinem feinen Hemd, als wäre nichts gewesen. Ein Model unter Tagen 😀 Wieder am Tageslicht haben wir einen mega coolen Ausblick auf Felsformationen. Wie schade, dass absolutes Gegenlicht herrscht. „Kein Problem“, sagt Enrike (das meint der so geschrieben wirklich erst), unser Latino-Poser-Führer, und grabscht nach meiner Spiegelreflex. Tatsächlich: keiner weiß, was er da genau macht, wild rumfuchtelnd, die Kamera überall hinhaltend, nur nicht zu uns. Aber am Ende haben wir ein 1a Gruppenfoto ohne schwarze Gesichter und gestochen scharf. Was n Held!

 

Am Stop 2 wird es wieder mal anstrengend, ganz im Zeichen des Tages. Ein Marsch zur großen Sanddüne. Wir laufen und laufen, super starker Wind und Sand überall. Und dann… Wie heftig ist das bitte!? Man durfte ja schon einiges sehen im Leben, aber dieser Anblick – kraaaaaass. Das richtige Panorama von dem Tal mit Mondlandschaft muss ich leider mit Photoshop zusammen schustern und daher nachliefern. Aber auch so sollten die Bilder schon ein bisschen zeigen, wie super das war.

Als wir uns alle wieder eingekriegt haben, geht es zurück in den Bus zum Death Valley. Klingt trügerisch spektakulär, war’s aber nicht :-). Zu sehen gibt’s nicht viel, stattdessen eine blutrünstige Geschichte vom entscheidenden Battle der einfallenden Spanier zu hören. Also schnell weiter zum Coyote Canyon, der angeblich so heißt, weil er als Vorlage für die Looney Toons Comics mit Roadrunner und Coyote diente. Hier warten wir auf den Sonnenuntergang, der natürlich … super gewöhnlich ist. 😀 Vll liegt es aber auch an dem langern Tag. Die Landschaft ist mal wieder Bombe – sowohl vor als auch vor dem Sonnenuntergang. Wir stehen direkt auf einem Felsvorsprung, unter uns kommt lange nichts und dann wieder diese unfassbae coole Mondlandschaft. Foto-Session, Foto-Session! Nachdem Enrike Rici und mich abgelichtet hat, willigt Thomas für ein Partner-Shooting ein – aber nur unter der Voraussetzung, dass ich am Rand stehe xDD Bester Move.

 

Und wenn man schon einmal am wunderschönen Arsch der Welt ist, bei perfektem Licht in der blauen Stunde, was macht man da? Claro que si: Ein Foto, das man nie vergisst. Und das ist in meinem Fall das hier :)))

(Christa, es tut mir leid. Du hast meine Herz-Hose so perfekt repariert einen Tag vor Abflug, ich hab sie unter tobendem Applaus der Leute bei der Action gekillt – und schätze sie ist nicht wiederzubeleben. Aber wie könnte eine Lieblingshose besser drauf gehen als so?!)

Zurück in San Pedro haben wir nach all den Abenteuern und der Anstrengung hunger. Aber wie. Wie gut, dass Mathi und Rici einen Hähnchen-Imbiss erspähen, in dem nur Einheimische sitzen. Brechend voll, alles besetzt, bis auf einen einzigen 4er tisch. Natürlich, wie immer geht für uns alles glatt. Das knusprigste und zugleich zarteste Brathähnchen sowie die riesigste Portion Pommes meiner fast 25 Jahre Fress-Laufbahn liegt vor mir. Welch göttliche Kombi xD Oben drauf gibt es noch eine selten schöne Sprite Flasche, von der Mathias noch lange Zeit schwärmen soll. Die war aber auch schön, du 😀 Tja. Der Laden hat uns so überzeugt, dass wir am nächsten Tag, an dem wir bis zur Busfahrt nach Antofagasta nur organisiert und Sachen gepackt haben, mittags nochmal zuschlagen. Wir sind damit jetzt neue Lieblingskunden von der netten, fast mütterlichen Bedienung und gleichzeitig Experten im chilenischen Fußball. Der läuft hier nämlich nonstop im TV. Genau wie Gladbach gegen Augsburg – hä?! 🙂

Davon ab war der Tag bislang eher von kleineren pleiten bzw. Chaos-Verursachern geprägt. Gleich am morgen hatten wir einem Strom- und Wasserausfall im ganzen Dorf. Ist wohl so rar alles, das wenn alle Touris gleichzeitig zulangen, das Kraftwerk kollabiert. Das sei hier nicht nur normal, sondern sicher, sagte uns die Hostel-Besitzerin. Hupala, gut, dass wie hier zweimal am Tag duschen und unsere Sachen waschen 😀 Unser Bus kam um 16.30h dann auch nicht wie geplant. Wir mussten einen anderen nehmen, der uns in die nächste große Stadt fägrt und von da in einen anderen in Richtung Antofagsta steigen. Aber auch das hat geklappt. 

Ein Gedanke zu „Die Wüste kostet

  1. Dein Lieblingsfoto!!!! Jaaaa!! Da zitiere ich Dich nur “ ach Omi mach Dir keine Sorgen“!!! Neeiiin, warum denn, Du bist und bleibst ein verrückter T.T. ( der hängt schon ganz schief!!) Thomy pass auf das wilde Huhn auf. Ganz viel Spaß und wir warten jetzt schon auf den nächsten Blog. O.und O!!

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