Huiuiui. Was eine Ankunft in Antofagsta. Unser erster Gedanke: „Zum Glück ist das nur ein kurzes Rein und Raus hier…“ So ein runtergekomenes Riesen-Ghetto und wahrhaftig eine drecks Arbeiterstadt á la Detroit. Oder, um es in Thomas Worten zu sagen: „Ganz Antofagasta ist Sachsenring!“ 😀 Unser chilenische Sitznachbar, der uns auch netterweise durch das Bus-Wechsel-Chaos navigiert hat, sagt, wir sollten gut auf unser Zeug aufpassen und bringt uns, was die neusten Trick-Dieb-Techniken angeht, auf den neusten Stand. Er fügt hinzu: „No taxi outside, no street walking here. Taxi en terminal al hotel y de hotel al aeropuerto.“ Alles klar, Charly. Seine Botschaft wird von dem Hochsicherheitsempfang im Busbahnhof unterstrichen. Ein Polizist bewacht das Eingangstor und lässt nur autorisierte Busse und Taxen rein. Da wird einem schon ein bisschen mulmig.
Als unser autorisiertes Taxi kommt, müssen wir allerdings lachen. Ein 60-jähriger Chilene steigt aus einem gepimpten Toyota. Nur plötzlich aufblinkende LEDs hinter der Scheibe suggerieren, dass DAS ein Taxi sein soll. Der Kofferraum geht auf – alles komplett blau beleuchtet. Plus riesen Subwoofer, der gefühlt 1/3 des Platzes einnimmt. Was n Gangster! xD Auch die Fußräume sind farbig komplett am Abfeiern. Mit halb offenem Kofferraum (wegen des Subwoofers hat natürlich nich alles reingepasst) geht’s Richtung Hotel. Aber alles seguro (also sicher) señorita. Jajaja, klar 🙂
Am Hotel. Wir klingeln an einer verschlossenen Tür. Durch ein gitterartiges Fenster kann man drinnen – im einem Glaskasten, hinter einer weiteren verschlossen Tür – die Rezeptionistin sehen. Die sitzt wiederum vor einem Bildschirm mit 15 Überwachungskameras. Scheint hier ja echt zu laufen.
Nachdem wir uns alle penibel mit Unterschrift und Pässen eingetragen haben, führt uns die Dame durch eine – nennen wir sie mal – Halle zu unseren Zimmern. Stark, dass es hier mit Rohren und diesen gelben Treppen aussieht wie in einer Fabrik. Aber egal, die Zimmer sind ok, wenn auch für den Zustand super überteuert. Hauptsache endlich eine Dusche! Denkste. Eiskaltes Wasser. Auuuua, wir möchten das nicht. Sachen wieder an und zur Rezeption. „Ach schon wieder kein Aqua caliente?“ stöhnt es hinter der Scheibe. Na gut, sie nimmt die Taschenlampe, krempelt die Ärmel hoch und verschwindet im Dunkeln, die Wendeltreppe hoch (, die selbstredend hinter einem Holz-Sichtschutz versteckt ist). Um 0.20h ist es tatsächlich vollbracht. Wir stehen unter einen warmen Dusche! Gute Nacht.
Im Taxi zum Flughafen haben wir mit Helmut (Name wurde geändert) am nächsten Morgen Spaß. Der kaum spanisch sprechende Englischlehrer aus Jamaika, der früher in Wiesbaden gearbeitet hat, ist auch nicht so begeistert von Antofagasta. Also wird ordentlich abgelästert. 😀 Aber… als wir unser Auto am Flughafen bekommen, kann man zumindest festhalten: Autos vermieten, dat können se. Vor uns steht ein neuer, schnieker Hyundai. 5,5 l Verbrauch, riesiger Kofferraum für unsere Rucksäcke, Aux-Anschluss und nur 5000km weg. Jackpot! Auf dem Weg raus aus der Stadt fahren wir entlang der Küste über eine Urlaubs-Promenade. Hier geben alle paar Meter Leute beim gerade stattfindenden Marathon auf. An roten Ampeln gibt’s Cheerleader- und Jongliervorstellungen statt aufdringliche „wolle Scheibe waschen?“-Menschen. Finally! Die schöne Seite von Antofagasta.

Knapp 5,5h geht’s auf dem Weg nach Caldera wieder durch die Wüste. Immer geradeaus. Rauf und runter. Die Meinungen, ob das cool sei, gehen im Auto auseinander. N geiler Anblick ist es aber gepaart mit den Trucks, die uns entgegenkommen, auf jeden Fall. Hier und da approachen wir zur Abwechslung die Küste und können Wellen gucken. Verrückt wie nah Wüste und Meer hier beieinander liegen!



15km vor dem Ziel der Superfail. Wir sind 2h schneller als geplant und können Caldera praktisch sehen. Der Strand, der traumhaft schön sein soll, da hinten am Horizont ist er! Es ist 16h – da kann noch ordentlich Sonne abgegriffen werden. Perfekt, zumal bald meine Blase platzt. Als Mathi sich von den billigen Plätzen über das Schild mit dem Männchen und der wedelnden Fahne lustig macht, nehmen wir noch an, dass wir in 15 min da sind. Weit gefehlt 😀 Einspurige Baustelle, wir müssen warten, bis die Chilenin in Bauarbeiterkluft das Stoppschild umdreht und alle Autos von der anderen Seite durch sind. Das wissen wir so genau, weil Thomy erstmal schön bis vor das Hütchen fährt, wo gleich der Gegenverkehr rausgelassen wird, dass sie uns darüber aufklärt. 😀 Rückwärts stellen wir uns vor einen „geparkten“ Wagen in die erste Reihe. 10 Minuten später stellt sich heraus, dass da jemand drin sitzt und auch wartet. Der ist nur so klein, dass der gar nicht übers Lenkrad hinausragt xD Wir haben noch Humor. Die Stopp-Schild-Befugte trägt mit ihrem nicht näher zu identifizierenden Tanzstil, der alle paar Minuten ausbricht, dazu bei. Endlich geht’s weiter. Jetzt aber. 6km später Baustellenende. Zu früh gefreut, eine Kurve später das gleiche Spiel: Flaggenschild. Warten. Neeeeeein!!! Geh ich jetzt schnell hinter dem Fels Pipi machen? Ach nee, die sind doch bestimmt so schlau, dass das jetzt sofort weitergeht, wie bei ner grünen Welle. Wie naiv. Natürlich nicht. Aber je länger die Uhr tickt, desto weniger trau ich mich noch zu gehen. Ah ja, endlich, da tut sich was. Weiter geht’s. Jetzt aber schnell, wir haben schon ne 3/4 Stunde verloren. Kurve. Argh! 3. Fullstop. UND KEIN FELS weit und breit. Kacke 😀 Diesmal dauert es wieder 20 min, bis wir weiterdürfen. Um die Laune hoch – und das Pipi in der Blase – zu halten liefern Thomy und ich uns ein Rap-Battle zu Lose yourself von Eminem. 😀 Was solln wir auch machen? Unsere Playlist ist so langsam am Ende.
Endspurt. Wir sind am Ort, finden sogar ein Schild zum Strand. Da ist er, ab auf den Parkplatz zu den anderen Autos. Wums, wir stehen. Was ist los? Ja sichi xD Wir stecken auf dem dritten Meter im Sand fest xD Das gibt’s doch jetzt nicht. Mathi ans Steuer, wir drei graben, bauen eine Rampe aus rumfliegender Pappe und schieben. Wuay geschafft, wir sind auf dem festen Stück und können die letzten 50m zum Strand machen. Ohne mich xD Ich renne hinter den nächsten Busch, der 30 cm hoch ist. Egal, ich bin wieder aufnahmefähig. Das feiern wir an einer der coolen Strandbars mit einem Bier – und einem riesigen Meeresfrüchteteller. Joa, mit Ansage rächt sich das natürlich bei Thomy und mir noch mit der absoluten Flitzekacke xD Zu unserer Verteidigung: Als wir den Teller am Tisch weiter entdeckt haben, dachten wir, der Berg Calamaris seien Pommes.. 😀 😀 Bereut wird trotzdem nix. Lecker war’s. Richtig gut war auch Ricis und Mathis Bestellumg: N Salat sollte es sein. Erst musste Rici Mathias ewig überzeugen, dass der auch ohne Hähnchen ganz lecker sei. Dann trug Mathi minutenlang einen Kampf mit sich aus, ob er denn noch Pommes dazu bestellen sollte. Am Ende blieb’s bei dem Salat. Und als der serviert wurde, hättet ihr Ricis Gesichts- Starre sehen sollen. Das war alles mögliche, aber kein Salat in unserem Sinne 😀 Ganz vorsichtig fragt der Kellner, ob alles ok sei. Rici sagt mal einfach ja und probiert. Der Kellner bleibt sicherhaltshalber mal noch ein bisschen stehen und fragt dezent nach, ob sie sich da ganz sicher sei xD Aber schmeckte wohl tatsächlich. Was es auch immer war.

