Feliz Navidad

Kurz vor Weihnachten ist Chile wie ausgestorben. In den Örtchen ist wenig los, keine Touris weit und breit. Unsere Ausflüge werden daher immer entspannter. ZB. der ins Elqui-Tal. An Weinbergen vorbei geht es zu drei Ur-Dörfern. Auf kleinen Märkten, Künstlerpassagen oder zwischen Omi und Opi auf der Parkbank fühlen wir uns pudelwohl. Hier ist die Welt aber sowas von in Ordnung – und hat fast schon italienisches Kleinstadt-Flair. 

 

Im letzten Dorf wird Mittagspause gemacht. Eine gute Entscheidung, auch wenn der Wirt erstmal keines der 50 Getränke zu haben scheint, die auf der Karte stehen. 😀 Hauptsache „Pisco Sour“ ist available – ein chilenischer Aperatif im Sektglas, den man wohl getrunken haben muss, bevor man Chile wieder verlässt. Unsere Daumen kriegt er. Wirklich lecker, aber mit echt gutem Drehmoment. Bevor das Essen kommt, sind Thomy und ich schon gut drauf. Wie enzückend, dass Mathias zurückfährt. Als unser überdimensionales Chile-Bier aus der Region (el cervecum lagerum) kommt, denk ich mir das umso mehr. Wir sind aber auch absolut nix mehr gewöhnt… Nach einer weiteren ungewöhnlichen „Salat-Kreation“ – Avocadobatzen mit Tomate pur 😀 – setzt sich die Kette der Überraschungen bei einem Verdauungsspaziergang fort. Ein cooles Grafiti nach dem anderen an den Häuserwänden: die hätten wir hier nicht erwartet. 


Die Nacht verbringen wir in Los Villos, ein völlig totes aber schnuckeliges Kaff direkt am Meer. Durch Zufall und Verhandlungsgeschick in einem Hostel, das fünf Klassen über dem Standard liegt. Joachim, der Halbfranzose, nimmt eigentlich 70.000 Pesos für allle 4, für uns macht er 40 draus. Mit allem drum und dran: Ruhigem Innenhof, Schweizer Balkon xD, Frühstück mit Rührei und frischen Früchten. Zudem lässt er uns seine private Hightech-Küche benutzen. Spätestens jetzt ist klar: Die nächste Wohnung bekommt sowas von nen Gasherd. Naja egal. Viel wertvoller als die ganzen Extras war der Typ an sich. Man hat ihm irgendwie sofort angemerkt, dsss er super spannend, gebildet und multikulti ist und ne abgedrehte Lebensgeschichte haben muss. Und die habe ich natürlich auch noch, investigativ wie ich bin :D, rausgefunden. 1981 hat er zu Diktatur-Zeiten Anti-Flugblätter verteilt, wurde angeschossen, festgenommen und 8 Monate lang gefoltert. Dann setzte man ihn in eine Maschine nach Paris und verbannte ihn 7 Jahre aus Chile. Ohne ein Wort französisch, Family oder sonst was schlug er sich durch – mit ca. 20 verschiedenen Jobs. Dann landete er bei British Airways und erkundete von Paris aus die ganze Welt. Als vor drei Jahren sein Vater starb, dem damals das Hostel gehörte, kehrte er nach Chile zurück. Seitdem lebt er 6 Monate in Chile und 6 in Paris. Weil es ihm gefällt und weil er’s kann. Am besten war, wie er selber lachen musste, als er uns erzählt hat, dass er in Frankreich zwei Töchter hat – von verschiedenen Müttern. Alter Casanova :DDD

Jetzt sitzen wir gerade in Valparaíso – und können irgendwie gar nicht glauben, dass bei euch Heiligabend schon durch ist. Auch wenn es bei uns heut nur ein Christmas-Festessen im Hostel gibt, wünschen wir euch allen ganz frohe Weihnachten :))) Ich hab mich gerade schon höchst persönlich beschert – mit einem Bild aus ner Kunstgalerie 😀 Man wird alt. Das konnte ich aber einfach nicht an der Wand hängen lassen. Wir sind gespannt, was das noch an der Grenze gibt… Vo vll brauche ich da noch eine kleine rechtliche Zoll-Recherche von dir (hupala).

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