The streets of Valparaíso

Valparaíso, Valparaíso. Das nenn ich mal ne Stadt mit Charakter. So weit du gucken kannst, knallbunte Häuser auf den Hängen, wie kleine Mosaiksteine. Dann blauer Himmel. Wasser. Voll das Flair. Und: sie sieht nicht nur schön von weitem aus. Wir fahren durch sau steile Straßen, jede einzigartig dank super aufwändiger und professioneller Graffitis. Mindestens ein nostalgisches Haus, ein skurriles Café oder einen unkonventionellen Laden gibt es immer. Wir fühlen uns ein bisschen wie im Szeneviertel von Berlin. Da passt doch die alternative Dreadlockfrau am Hostel-Empfang 1a ins Bild :D.

Einmal das Gepäck auf dem Zimmer abgeliefert, geht’s auf Erkundungstour. Um nicht am heiligen Abend mit krampfenden Waden weinend im Bett zu wurmen, probieren wir ein paar der Ascensores aus – Lifte, die dich in unnachvollziehbar steilem Winkel die Hügel „raufbefördern“. Der Mut, in eine südamerikanische mechanische Konstruktion zu steigen, wird mit einem wahnsinns Ausblick übers Viertel und den Hafen belohnt. Yes!

Inspiriert von dem Eindruck, möchte ich sagen, xD werde ich zum Opfer meines Auges. Gleich in der ersten (und einzigen) Kunstgalerie verliebe ich mich in eine ölige, afrikanisch maskierte Dame auf Leinwand. Der Maler hat mich mit seiner Reihe. Ein Bild ist schöner als das andere. Aber dieses eine. Verdammt: In einer perfekten Welt muss ich das haben. Als ich den Händler frage, ob – und wenn ja für wie viel Knete – die Nr. 19 zu haben ist, weil der richtige Titel viel zu lang ist, um ihn mir bis zur Verkaufstheke zu merken, gucke ich doof aus der Wäsche. „3000 pesos!“ (alias 4 Euro), sagt er. Und ich so: „hä?! Nee jetzt mal im ernst…“ 2 Minuten später fällt bei ihm der Groschen. „Achsooo, Sie meinen das richtige Gemälde. Ich dachte, Sie wollen ne Postkarte!“ xD Richtig nach dem Motto – mhhh studenten… Wir kommen ins Gespräch. So langsam merkt er, dass ich es total ernst meine, weil ich 100 Fragen stelle. Er will kurz den „Valor“, nicht etwa den Preis des Bildes im
PC nachgucken. 540 dollar. Das passt schon eher, auch wenn es schmerzt xDDD

Ich überlege hin und her: Wie krieg ich das Ding nach Deutschland, wie kann ich mir den Preis schönrechnen? Im Hintergrund greift der Jorge heimlich still und leise zum Telefon. „Ej du, hier will eine junge Studentin glaube ich dein Bild kaufen. Wie weit können wir runtergehen!?“ 😀 Er kommt zu mir und erklärt mir mit Händen und Füßen, dass er mir die Leinwand abziehen und in ner Rolle fürs Handgepäck mitgeben könnte. Wenn du willsr, läufst du hier gleich einfach mit deinem Bild raus. Full service.

„Okay, wie lange haben Sie noch auf?“
„20 min.“ (Lach)
„Morgen ist geschlossen, korrekt?“
„Ja, genau, ist geschlossen am 25.12.“
„Hm.“ (Funkelblitz à la Wilde-Sari-Aktion in den Augen)

Ich mach kurzen Prozess und sag ihm, dass ich’s nehme, aber schon seinen best price bräuchte.. 😀 Nimmt der eiskalt den Taschenrechner und tippt 300 ein. Das ist der umgerechnete Europreis, wenn ich’s auf der Stelle bar bezahl. Oah, es sind noch immer 300 Euro, aber bei dem Rabatt. Da musste ich es umso mehr tun. Ähm ja, wo ist denn der nächste Bankautomat? Natürlich direkt gegenüber in dem 10 Quadratmeter Kiosk-bzw.-möchte-gern-Supermarkt. Ist der einzige auf dem ganzen Hügel. Ja ok, dann bis gleich. Erstmal 220.000 pesos im Supermarkt zwischen Gurken und Chips abgehoben. 😀 Zack, war ich wieder da. Der Händler ist maximal beeindruckt. Dass ich das wirklich durchziehe, hat er nicht gedacht. Ganz cool bin ich nicht, eher leicht bis Parkinson zittrig. Aufgeregt eben. Mein erstes Bild. „Fröhliche Weihnachten!“, sagt Thomy und drückt mir einen Knutscher auf die Backe, weil er sich für mich freut. Hihi 🙂


Unser Weihnachtshappening war ein voller Erfolg. Mit Franzosen, Argentiniern, Amis, Australiern und Briten haben wir gegessen, gewichtelt und getrunken. Vor allem aber viel gelacht. Heute, der 1. Weihnachtstag, war auch wieder ein Volltreffer. Es ging vor der Weiterfahrt nach Santiago nach Viña del mar. Praktisch das Florida von Chile. So coole Promenaden und dicke Palmenallées. Die scheinen’s zu haben. Und oooah die Küste. Wir saßen ne Stunde nur auf den Felsen und haben unsere private Watching-Session abgehalten. Pelikane, die senkrecht ins Wasser düsen und Fische erbeuten, Robben, die in den Wellen herumtollen (xD). Das war was. Da musste Mathi mit seinem Tele richtig ran und tripple Anweisungen verarbeiten. Mathi, naher Pelikan auf 12h, Mathi, rechts von dir die Robbe. Mathi, guck mal da hinten der Schwarm. Hasse, hasse? 😀 herrlich…

Und fleißig waren wir auch. Eine riesige Düne wollte schließlich noch erobert werden. 😉 Nachdem wir beim ersten Anstieg von ganz unten nach 5 m in Flip Flops nach wegbrennender Fußsohle kläglich aufgaben, fanden wir tatsächlich noch einen einigermaßen machbaren Zugang. Heiß und anstrengend war’s trotzdem, aber was für ein Ausblick über die Stadt. 🙂 Runter hat’s natürlich richtig Bock gemacht, da hieß es nur noch Schuhe aus und runnerrennen xD

 

3 Gedanken zu „The streets of Valparaíso

  1. Oh manno…ist das alles beeindruckend und schön. Also alles richtig gemacht….und wir alle haben Weihnachten mal anders er- und überlebt. Weiter ganz viel Spaß und gute Erholung trotz aller Touren. Bis bald.

  2. Es sind Bilder ,die euch ein Lebenlang in Erinnerung bleiben werden.bin gespannt wie das Bild aussieht.

    Weiterhin viel Spaß ,ein Stückchen unsere Welt zu entdecken.;)

  3. Ich denke jeden Tag:der Blog wäre jetzt das Highlight der Tour und es kommt immer noch besser.einfach großartig. das Bild bekommt sicher einen besonderen Platz und wir können es dann da bewundern. Und Schera…..ich mag das sonnenbild am Meer mit zipfelmütze.ne schönere weihnachtsfrau hab ich noch nicht gesehen😘

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