Ich und mein Scooterella 🛵💨

Ha Giang. Roller. Regen. Autsch! Dieser Vierklang hätte euch heute beinahe als puristischer Eintrag erwartet, wäre da nicht soeben eine heiße 30 minütige Dusche und ein Unterwäschenwechsel gewesen. 😂 Aber keine Bange, jetzt bin ich wieder gesprächsreif. 

Betrachtet man die letzten 48 Stunden rückblickend, kann eigentlich nur von schierem Wahnsinn gesprochen werden. 😄 Der Trip fing schon so geil an. Wir am Bahnhof in Hanoi noch ohne Fahrkarten für den Nachtbus in die Bergprovinz. Vorbildlich vorbereitet. Am Schalter leg ich, nachdem ich mit meinem Englisch und stammelvietnamesich nicht weiterkomme, siegessicher mein iPad auf den Tresen samt Screenshot der Verbindung, die brauchen. Uhrzeit, Personenanzahl, Busunternehmen – alles am Start. Die Frau am Schalter guckt mich an. Hm. Keine Reaktion. Sie greift zum Telefon und ruft irgendwen an.  Nach einem aufbrausenden Gespräch legt sie auf. Und wieder: Keine Reaktion in unsere Richtung. 😄 Viermal geht das Spiel so weiter. 10 Minuten sind um und der Azubi neben der Busschalterfrau fängt an, sich eigenständig durch meine Screenshots zu scrollen und ist augenscheinlich hin und weg, dass sein Gurken-Bus über ein so professionell designtes Portal aufzurufen ist. Und wir haben keine Ahnung was abgeht. Plötzlich eine Rückmeldung der Frau. 

Bus-Frau: „Full Ticket?“

Wir: „Öh.“ xD  

Bus-Frau: „Full Ticket?“

Wir: „Full Ticket?! Äh, yes, but what is a half Ticket then?“ 

Bus-Frau: „Full Ticket!“

Wir: „Jaja okay, Full Ticket!“

Bus-Frau: „No.“ 😂😂😂😂😂

Ich hab keine Ahnung wie, aber irgendwie haben wir dann unsere zwei richtigen Full-Tickets noch bekommen. Zwar mit Liegeplätzen überm Motor, dicht geschmiegt an ein italienisches Ehepaar in Leo-Decke, aber wir wollen uns ja nicht beschweren. Hauptsache Full Ticket xD


Angekommen in Ha Giang gehts direkt um 4:30 zum Motorbike Rental. Kay, der sich so für Touristen nennt, weil er meint Tay ist zu schwierig (??? XD) fängt uns direkt am Bus ab und bietet Full Service. Dusche (okay, der Wassertank war nach einer Klospülung leer, aber er hat’s versucht), Tee und Kaffee, Power für meinen Kameraakku und ach ja… Für Thomas gab’s mal eben um 5 Uhr morgens einen Crashkurs fürs Rollerfahren. Im Dunkeln vor Sonnenaufgang, aber dafür im Regen. 😄 Aber läuft. Gibt n Daumen und grünes Licht für die Straßen. Also reiten wir bei Sonnenaufgang los gen Dong Van. Schließlich liegen 150km Bergetappe mit Serpentinen vor uns. Selbstredend fahren wir erstmal 20 Minuten in die falsche Richtung, aber gut, dass war Tays/Kays Schuld. Wir nehmen’s ihm nicht übel. 

Viel aggroer macht uns der Wettergott. 70% Dauerregen, Nebel und nix mit mega Aussicht. Trotzdem können wir Heavens Gate und Co. im mysteriösen Dunst was abgewinnen. Viele Fotos gibt’s nicht, da es einfach nass und zu kompliziert war, jedes Mal aus meinem Müllsack rauszukommen xD, aber ein paar Eindrücke haben wir natürlich für euch. Mindestens genau so spektakulär wir die Landschaft – die „Hmong People“. Kleine Bergvölker, also Hill tribes, die ihrem Namen alle Ehre machen. Die leben in den Bergen wie in einer anderen Zeit. Kinder lernen am Straßenrand, wie man Feuer macht und Tiere schlachtet. Frauen rennen von morgens bis abends mit Sichel rum und hiefen Ernten ohne Ende zu ihrem Heim. Einfach nur krass anzuschauen. Viele Touristen kommen wohl noch nicht vorbei. Jedes Mal, wenn Kinder uns sehen, winken sie uns wild zu oder rennen uns noch ein ganzes Stück hinterher. So knuffig. 





Klingt bei 9h für 150 km zwar komisch, trotzdem war ich überrascht, in welch gutem Zustand die Straßen waren. Das meiste asphaltiert, nur hier und da erschwerten 2 m hohe Steinhaufen oder ein halber Meter Matsch von der aktiven Baggerbaustelle mitten im heftigen Bergpass den Weg. XDD Jaja, einfach drüber fahren, sagt das winken der vietnamesischen Bausarbeiter. Vielen Dank, sagen unsere Schuhe und vollgesauten Hosen, als wir versuchen, unsere Bikes mit den Füßen bei 10% Gefälle im Schlamm abzubremsen. 😂 Mit Ach und Krach haben wir uns dann dank rettender Pho Bo Suppen Stopps abends in unsere Absteige gerobbt. Schön mit Loch in der Wand, was man in dem Bergloch eben so findet, aber Hauptsache n Tütüvorhang am Bett. Aber ein Ort der großen Erfindungen. Hier entwickelte Thomas in seiner 2h-Fön-Orgie ein Tunnelsystem, um unsere Sachen alle auf einmal zu trocknen. Dass der Fön zwischendurch mit zu uns unter die Decke kam, um klarzukommen, versteht sich von selbst. :DDD


Unsere Highlight des Tages:

1) Ein halbes Schwein überholt uns! 😂

2) Eine Frau winkt uns 15 Minuten lang euphorisch aus dem vor uns fahrenden LKW. 

3) Thomy wollte „nur noch ins Ziel“ und nahm’s wörtlich. Erstmal schön dem Suppenkoch in den XXL-Blumentopf  am Eingang gefahren. Aber nix passiert 😀

4) Das Kind des Suppenkochs kotzt uns neben den Tisch. Als Entschädigung lädt der uns zum Fernsehengucken und Tee trinken ein. 

5) Und Last gut Not least: Der Moment, in dem ich checke, dass ich wohl gerade Hundespieße für uns zum Abendbrot gekauft habe. Oder wieso seh ich auf dem Rückweg ein paar Meter neben dem Grill einen halb ausgenommener Köter auf dem Tresen? Hups, zu spät gesehen. Machste nix 😂


Am zweiten Tag ging es etwas unspektakulärer zu. Hier hieß die Fragestellung eigentlich nur: „Werden wir den Weg zurück schaffen, solange es hell ist?“ und „Ist das dem Wetter sein Ernst?“ xD Mit voller Konzentration ging’s dieses Mal mit 100%iger Dauerregenquote ab zurück ins Tal. Und hier sitzen wir nun und warten auf den Nachtbus zurück. Mal gucken, mit wem wir heute kuscheln dürfen..

Ein Gedanke zu „Ich und mein Scooterella 🛵💨

  1. Oh no…ich mag das alles mir nicht im Detail vorstellen. Haben auf deinen Hund erstmal einen ramazotti trinken müssen. Ja aber so etwas musste kommen. Gut euer Magen ist gut drauf. Aber im Ernst, bei besserem Wetter wäre es sicher toller gewesen. Gut ihr habt alles gut überstanden. Auf ein neues Abenteuer. Ich bin sicher, da kommt noch mehr. Bussi und pada.

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