Finish am Limit

So, ich bin euch noch einen letzten Eintrag aus Südafrika schuldig. Jetzt wo drölf Wochen verstrichen sind und ich meine Fotos endlich mal sortiert und die letzten beide Tage übertragen habe, kann’s auch schon losgehen. 😀

Aber besser spät als nie ne, Ordnung und das Finale muss noch sein. Immerhin könnte man sich sogar aus dem Fenster lehnen und behaupten, dieses Finale habe es in sich gehabt. Damit wir in Kapstadt noch einen kompletten Tag faul am Pool mit Blick auf Camps Bay chillen können, haben wir uns nämlich spontan entschlossen, 800 km bei 10 Stunden Netto-Fahrzeit vom Addo Elephant National Park durchzuballern. xD Anders als beim Hinweg durchs Landesinnere. Guuuute Entscheidung. Die Landschaften und Straßen waren der Oberknaller – und wir waren komplett allein unterwegs. Das hatte teils fast schon Neuseeland-Feeling.

Bei meinem ausgeprägten Orientierungssinn (hust, hust) haben wir uns sogar nur einmal kurz verfahren. Im Resultat standen wir vor einem einheimischen Jugendlichen, der uns super freundlich im kleinsten Detail den Weg zurück auf den Highway erklärte. Nur halt leider auf Afrikaans. xD

Wir verstehen nur krrkrrr. Das einzige Wort, das wir zwischen 200 Palabras ansatzweise meinen vernommen zu haben, ist „Kaapstad“. Jaja genau! Dahin! Dann nur noch Hände und Füße. Ich versuche mich zu bedanken, gebäre jedoch völlig unfreiwillig einen standardgemäßen, super peinlichen Sarah-Move. Millisekunden vor meinem Vortrag fliegt mir beim Luftholen ein Insekt in den Rachen – heraus kommt jetzt auch bei mir nur noch krrrkrrrrkrrr, da ich panisch versuche, dieses Ding wieder hochzuwürgen. 😀 😀 Der Boy nimmt die Szene gelassen hin. Wir können nich mehr und hoffen nur, er hat nicht gedacht, ich verarsche ihn.

Dessen unbeirrt und zurück auf Kurs, legten wir wie geplant noch einen Stopp bei einem Wildlfe Reserve ein, wo wir Bekanntschaft mit Solo, dem Geparden, machten. So genannt, weil er als einziger aus seiner Herde ein Jagd-Massaker überlebt hat. Dazu durften wir drei süßen Welpen – mit der Stoppuhr getimte 3 Minuten – beim Spielen zugucken und sie einmal streicheln. War zwar schon iwie cool. Ultra schöne und faszinierende Tiere. Aber im Gegensatz zu unserer Elefanten-Begegnung fühlte sich das Ganze nicht so ganz richtig an. Nach dem zwischenzeitigen Konsumieren von Tiger King auf Netflix (kurzer Emoji-off-topic-Einschub xDDDDDD) noch weniger. Aber najo. Eine Erfahrung war’s – und hoffentlich wird mit unserem Geld was annähernd Sinnvolles gemacht.


Einen schönen Naturpfad, einen Partner-Schlüsselanhänger-Kauf mitten im Regenwald und einen Bergpass-Abstecher später kamen wir letztendlich glücklich aber kaputt zum Abendessen in Kapstadt an. Erstmal zum gebührenden Abschied ein 600 Gramm Dry Aged T-Bone Steak und eine Flasche Rosé um die Ecke gegönnt. Und wieder mal den coolsten Kellner erwischt, der unsere Small-Talk-Konversation noch bis nach 11 brav aushielt, ohne mal drauf hinzuweisen, dass der hintere Teil des Restaurants schon lange geschlossen hat.

Nächster Tag. Time to say bye bye. Ganze 8 Stunden haben wir uns nochmal an unseren Pool gelegt. Den Barkeeper, der aus irgendeinem fadenscheinigen Grund keine Cocktails servieren durfte, hat unsere pure Lebensfreude über seinen Luftmatratzen-Donut so angesteckt, dass er uns gleich einen zweiten aufpustete. Locker flockig aus der Lunge. Wir werden es ihm nie vergessen. So ließ es sich nochmal richtig gut aushalten. Fetter Bikini-Abdruck inklusive.

Und eine 200-Puls-Aktion zum Flieger… Wir hatten zwar schon einen ordentlichen Puffer eingerechnet, obwohl wir bei der Ankunft nur 15 Minuten in die City brauchten. Aber gut, mit 2 Stunden Stillstand auf dem Highway wegen eines Unfalls haben wir jetzt doch nicht gerechnet.

Auswirkungen: Wir sind 15 Minuten vor Boarding überhaupt mal am Flughafen, parken den Mietwagen mit einem Affenzahn, stellen ihn einfach ab und bölken den Concierge so freundlich wir können an: „We swear everything is fine. Can you sign this return paper real quick, we just leave it here and run? We have to catch a flight. We only have 15 minutes to get to the gate… xDDD“ Der Dude lacht sich kaputt und winkt ab. Jaja, macht ihr mal. Hahahaha. (Fun fact: Später sollte noch ne unbegründete Tank-Auffüll-Rechnung von 16 Euro kommen. Aber Schwamm drüber. :D)

Wir rennen mit unseren Koffern zum Terminal. Ich bin zu langsam in meinen Flip Flops und komme Lesly nicht hinterher. Also zack, ab in die Hand damit und barfuß weiter. Herrlicher Anblick muss das gewesen sein. Bei 35 Grad im Schatten renne ich über den Asphalt. xD Und es wird noch besser. Ein Südafrikaner bemerkt unseren Struggle und hat ein fancy Baggage-Gefährt dabei. Deshalb spurtet er neben uns im Gleichschritt her und bietet uns an, uns den Berg runter zu rollen und mit all unseren Plörren zu beschleunigen. Ich hechel ihn an: „Sorry, we have no money left! We have no cash. That’s kind of you, but we have nothing material to thank you for it.“ Aber er bleibt hartnäckig und sagt, es sei auch ohne Belohnung okay. Na gut. Ich weiß jetzt schon, dass ich gleich kreativ werden muss, aber irgendwas wird uns schon einfallen. xDD

Wir reiten also ein mit unserem Gepäck-Dude, unseren Koffern, Flip Flops und Sonnenhüten in der Hand. Möp, die Polizei hält unseren Komplizen noch an der ersten Schiebetür auf. Er darf nicht mit ins Gebäude, weil er ganz offenbar kein Fluggast ist. Ich versuche den Polizisten kurz zu überreden, weil wir ihm echt was schuldig sind, aber keine Chance. „I am so sorry, like I said. We try to make it back to when checkin was successful“, ruf ich ihm noch hinterher.

Auf der Rolltreppe sortiere ich barfußes Stück meine Gedanken und bereite mich auf den Showdown am Schalter vor. Wir rennen vor – und die Frau am Schalter versteht die Hektik gar nicht. Nach dem Motto. Der Flug hat doch eh am Ende wieder Verspätung, das ist alles kein Problem. Ahahahah. Derweil steht zeitgleich der Gepäck-Wagen-Dude auf einmal aus dem Nix neben uns und hat es auf seinem illegalen Besuch eilig. 5 Euro in Leslys Hosentasche retten uns. Gut, ist auch das erledigt.

Die Condor-Frau am Schalter nimmt meinen Koffer und pappt ein fettes Schild mit Frankfurt drauf. Meine dreimalige Anmerkung, dass ich noch nach München weiterfliege und das nicht mein finales Ziel ist, wird zur Kenntnis genommen, aber ignoriert. „I guarantee you, it will go through until Munich. You don’t have to pick it up in Frankfurt.“ Na, das werden wir ja noch sehen. 😀

Surprise Nummer eins: Wir kriegen tatsächlich unseren Flieger. Und müssen sogar wie angedroht noch ewig warten. Surprise Nummer zwei: Für den Flug nach München hab ich deshalb plötzlich nur noch 20 Minuten zum Umsteigen. :D:D:D Surprise Nummer drei: Mein Koffer ist natürlich nicht durchgecheckt. Ich muss also in den 20 Minuten auch noch meinen Ripcurl abholen und wieder aufgeben. Na herzlichen Glückwunsch! xDD Ich finde tatsächlich meinen Koffer, gebe ihn halb illegal mittels eines Re-Entries durch eine Einbahn-Straßen-Automatik-Schiebetür beim Sperrgepäck neu auf.

Richtig stolz auf mich, dass ich das irgendwie rechtzeitig in der Zeit geschafft habe, stehe ich am Gate und bekomme eine SMS. Flug-Annulierung 😀 😀 😀 Ernsthaft jetzt? Die ganze olympiareife Vorstellung hier umsonst? Wann komm ich nach Hause? Und wohin zur Hölle wird jetzt gerade mein Koffer last minute gebracht? xD

Nach einigen Telefonaten werde ich im anfänglichen Corona-Wust auf einen anderen Flug gebucht, der vor 3 Stunden hätte gehen sollen und jetzt inner halben Stunde fliegt. Auch gut. Aber diese Information soll jetzt auch beim Bodenperson für den Koffer ankommen sein? Ja, soll sie angeblich.

Nein, ist sie natürlich nicht. Hahahaha. Am Flughafen in München kommt kein Koffer. Bei der Verlustmeldung findet der Kollege raus, dass der Koffer angeblich in 1,5 Stunden mit einer anderen Maschine eingeflogen wird. Hab ja erst bereits 1,5 Stunden hier auf den Koffer gewartet, aber okay. 😀 Der Gute haut noch einen 10-Euro-Mcces-Gutschein raus. Also gehe ich gemütlich frühstücken und schon mal shoppen im Flughafen-Edeka. Denn erheben werde ich mich nach meiner Ankunft safe nicht mehr. Nach zähen Verhandlungen darf ich die Einkäufe sogar kurz für 20 Minuten an der Kasse stehen lassen. Denn ich muss mit meinem Freischein zurück durch die Sicherheitskontrolle, um mein Prachtstück in Empfang zu nehmen. Ich sag mal, alles rausgeholt aus der Situation.

10 Minuten später sitze ich mit meinen Einkäufen, meinem Rucksack und meinem Koffer in einem DriveNow-Benzer. Bitte bring jetzt nur noch im Autopilot nach Hause. Was eine Zieleinfahrt, ej…

Mission completed. Bis zur nächsten Fern-Reise Amigos!