„Es muy lejos!“ – The curse of Monkey Mountain 🐒⛰

Entspannten Urlaubsausklang kann jeder. Ich habe daher für die Zielgerade noch einen klassischen Kopfschüttler vorbereitet.

Seid ihr bereit für einen monothematischen, über Strecken dramatischen Blogeintrag?! Dann schnappt euch euer Fernglas, eure kakifarbenen Shorts und macht euch auf ein Dschungel-Malheur der feinsten Sorte gefasst. Mudder und Omi – sorry vorab 😅🙈

Es begann zunächst harmlos. Sarah entschloss sich, dem Rat ihres Surflehrers zu folgen, und einen abgelegenen Strand zu inspizieren. Schon faszinierend wie ein 25 Minuten Fußmarsch durch den Dschungel die Menschheit davon abhält, einen so schönen Ort zu Gesicht zu bekommen.

Ich mein… gut für mich. Ich bin 3 Stunden komplett allein. Mit dutzenden von Schmetterlingen. Am morgen seh ich kurz eine kleine Yoga-Gruppe, am Mittag ein Pärchen. Das war‘s. Alles meins! :))

Warum mich der Bauarbeiter auf der letzten befestigten Straße vorhin mit „pass auf, der Weg ist klein und gemein“ verabschiedet hat, leuchtet mir auch auf dem Rückweg noch nicht ein. Bis…

…ich in einer Lehmspur stecken bleibe und es mir die Flipflops zerreißt. Upala. Motorik-Mogli muss barfuß ins Finish.

Kein Problem. Bis… ich auf der Straße angekommen bin. Denn die hat leider 80 Grad Asphaltemperatur. Und so viel Hornhaut hab ich nun leider auch nicht am Start 😀

Ich husche von Schatten zu Schatten wie auf heißen Kohlen, dass die Leute schon wieder denken müssen, was hat die eigentlich für einen anner Klatsche. Ein amerikanisches Pärchen hat zum Glück bereits auf den ersten 200 Metern Mitleid und gewährt mir Asyl auf seinem Golf-Caddy 😂😂😂 Erstmal stilecht hinten draufgewuchtet und nach haus gehitch-hiked.

Im Hostel angekommen, sind meine Kollegen mit ihrer Schicht fertig und völlig euphorisiert, einen Dschungel-Hike zu machen. Ich: 🤡.

Aber okay. Ich ziehe mir dann mal eben nicht zerstörte Schuhe an und komme. Denn: Sie wollen nicht irgendeine Wanderung machen, sondern die zum legendären Monkey Mountain. Oben an der Spitze soll ein hammer Panorama über das Meer und die Küste warten. Das Nonplus-Ultra zum Sonnenuntergang. Ist eh auf meiner Liste und klingt auch iwie so, als sollte ich das vll nicht einen Tag später alleine machen.

Ein paar Bananen und Wasser eingepackt, geht es also ins Taxi. Wir lassen uns zu viert zur nächstgelegendsten Ortschaft fahren und machen mit dem Fahrer direkt die Rückfahrt aus, damit wir nicht doof da stehen, wenn es Dunkel wird. Geritzt.

Der Weg rauf, übelst anstrengend, aber ein absoluter Traum. Lianen, Riesen-Palmen, Schmetterlinge. Wir schwitzen wie die Schweine, aber sind happy.

Oben angekommen sitzen wir auf einem Felsen – um uns rum ein übertriebenes 360 Grad Panorama. Mit XXL-Greifvögeln, die unseren Felsvorsprung umkreisen. Der Sonnenuntergang tut sein übriges ❤

Und während wir noch schön Späße über die Gruppe mexikanischer jugendlicher Kiffer machen (nach dem Motto: wie wollen die es denn bitte in dem Zustand runterschaffen – und dann auch noch, bevor es stockduster wird???), bemerken wir: Also 1:1 der Weg, den wir hergekommen sind, ist das aber auch nicht.

Doch es gibt massig Schilder und Seile – das muss ein offzieller Weg sein. Sonst war auch keine Abzweigung. Nur so Popel-Trampelpfade. Jedes Seil und Schild wird gefeiert – denn langsam wird es dunkel. Und dunkler und dunkler.

Wir machen unsere Taschenlampen an. Für die letzten 10 Min war das eingeplant. Nur dass auf alle 10 Min leider 10 weitere folgen -.-

Und dann – nach dem gefühlt kompletten Weg runter – landen wir irgendwann an einem Flussbett vor einem umgestürzten Baum. Sackgasse.

Fuck.

Keiner von uns hat Empfang. Google Maps verortet uns im Nirgendwo. Wir hören Hunde bellen und sehen etwas flackern und finden: Dschungel-Nomaden.

Drei zottelige Dudes, die unter einem Wellblechdach sitzen und sich iwas auf einem Lagerfeuer grillen, das ich nicht weiter identifizieren will. Ich würde fast den Begriff Ureinwohner nutzen wollen.

Wir fragen nach dem Weg zum Ort, wo unser Taxifahrer schon auf uns wartet, und der Häuptling sagt: „ohhhh nooo amigos, es muy lejos!!“ Zu deutsch: Wir sind am Arsch.

Wir haben es irgendwie geschafft, eine falsche Abbiegung zu nehmen und sind den Berg auf der falschen Seite runtergekrachselt.

Um zum Taxi zu kommen, müssten wir den kompletten Berg wieder rauf und zur anderen Seite komplett wieder runter. Unmöglich im Dunkeln. Problem: Auf unserer Seite ist das Nichts.

Ein Auto haben die drei Weisen natürlich auch nicht. Nur einen Tipp. Geht den Fluss entlang, dann könnt ihr euch nicht weiter verlaufen. Sei angeblich eh der kürzeste Weg zur Straße.

Wir halten Rat ab und stimmen zu. Was bleibt uns groß anderes übrig. Augen zu und durch. Nur schnell raus hier, also zurück zum Flussbett und über den Baum klettern, an dem wir vorhin schon waren.

Ich bin noch rel entspannt und nur mittelmäßig beunruhigt. Zum einen dank der 1.000 Glühwürmchen, die uns fast avatarmäßig den Weg weisen zu wollen. Zum anderen dank Joes und Bens künstlerischer Untermalung mit dem süßen Fireflies Pop-Song, der wenigstens ein bisschen Anspannung rausnimmt.

Bis zur nächsten Station, wo Karolijns und meine Stimmung dann kippt. Wir finden einen weiteren Lagerfeuer-Nomaden, der uns erzählen will, es sei immer noch muy lejos bis zur Straße. Also weit.

Und schlimmer: Dass wir uns echt beeilen sollten, weil es hier Jaguars gibt, die bekanntlich nachtaktiv sind -.- Na danke, das wird ja immer besser…

Aber wenigstens hat auch er eine Wegbeschreibung für uns. Dazu macht er uns ein Tor auf, damit wir eine Abkürzung durch seine private Prärie nehmen können.

Dass er 10 m zum Kette entfernen braucht, weil diese anscheinend 20 Jahre niemand angefasst hat, macht es aber irgendwie nicht besser. Ich komm mir vor wie in einem schlechten Horrorfilm.

Seit der Jaguar-Info singen wir ein Lied lauter als das andere. Da die Viecher lärmscheu sind, nur einzelnd jagen und keine Herden angreifen, bin ich einigermaßen zuversichtlich.

In meinem Hirn trotzdem schon Kopfkino und vorsorglich mögliche Lösungsstrategien. Wie töte ich eigentlich einen Jaguar mit einem Steinklumpen in der Hand – oder einem Stock? 🤔

Wir singen nun vierstimmig Bohemian Rapsody von Queen und reden uns alles schön. Dass das eine super Geschichte wird und „och guck mal diesen krassen Sternenhimmel im Stockdunkeln. Das ist aber schön und einzigartig überm Dschungel“ 😅 War es wirklich, aber ok. Iwann regten uns selbst die Glühwürmchen auf, weil wir sie immer erst für Straßenlichter hielten.

Nach weiteren 15 Min dann aber die Erlösung. Wir sehen echte Lichter, die Straße!!!! Group Hug.

Jetzt müssen wir nur noch ein Auto finden, in dem kein Serienmörder sitzt 😂👌🏼 Wir gehen zum ersten Haus und fragen nach einem Telefon zum Taxi rufen. Und bekommen einen Korb. Telefon? Hier? Hahaha, ihr Gringos!

Wir gehen zum zweiten Haus und knacken den Jackpot. Wir fragen den Herren an der Tür nach dem Telefon und der sagt: „Ach quark, ich kenn nen Taxifahrer. Kommt mit. Der wohnt drei Häuser weiter.“

Wir zaghaft hinterher. Und dann biegen wir um die Ecke, sitzt da ein Oberkörper freier dicker fröhlicher Mexikaner mit seiner Familie beim Abendessen in der Einfahrt. Neben ihrem Tisch geparkt – ein offizielles Taxi 😂😂😂😂😂

Wir können unser Glück nicht fassen. Das kann doch wirklich nicht wahr sein getz 😄

José ist ultra nett. Springt direkt auf und sagt „Claro que si. Ich zieh mir nur schnell meine Arbeitsmontur (aka nen Axelshirt) an und fahr euch“

Perfektes Englisch, in den USA aufgewachsen, erzählt er uns seine Lebensgeschichte und wie er gerade sein Haus ausbaut.

Dann mein Highlight. „You amigos like rap music?“, dreht sich José grinsend um und dreht voll Dr. Dres und Snoop Dogs Next Episode auf. Gefolgt von Gangster’s Paradise 🤣

Auf mich wirkt das surreal. Wir waren doch grad noch im Dschungel verloren und jetzt sitzen wir rappend in inem Taxi vom Hinterhof und freuen uns nen Bagger. 😄

Etwas beunruhigend ist, dass auch José die Jaguars anspricht. Die scheint es also wirklich zu geben – nix mit Schaudermärchen für die 1000. nervigen verirrten Touris, die – genau wie wir – törichter Weise Schildern und ausgebauten Pfaden folgen.. xD Naja egal. Hauptsache rausgekommen aus dem Irrgarten.

Und das krasseste. José hätte für die 25 Min Fahrt wahrschl jeden Preis von uns verlangen können, weil wir in Not waren. Wir hätten alles gezahlt. Und was will er von uns? 100 Pesos. 4 Euro für alle zusammen! (Funfact: Auf dem Hinweg zur anderen Seite haben wir 250 gezahlt).

Und ich muss eins sagen. Du darfst zwar nicht naiv sein. Aber ich glaub schon daran, wenn du an das Gute im Menschen glaubst, dann belohnt dich das Leben auch dafür. Einmal mehr kann ich nur sagen, diese Mexikaner, die sind echt mehr als schwer in Ordnung. Danke an die Lagerfeuer-Nomaden und danke an José 🙏🏼

Zur Feier des Überlebens wurden wir von Kollegen erstmal in einer Airbnb Villa bekocht und mit frischen Anziehsachen ausgestattet. Beste Dusche meines Lebens 😂 Komisch, dass es am Tag drauf nur Pool und Faulenzen für mich gab.

Manchmal frag ich mich noch, wie lang der Taxi-Fahrer auf der anderen Bergseite wohl auf uns gewartet hat. Wir werden es nie erfahren.

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