Oder auch: Wie die Nummer des Customs & Border Patrol Supervisors am Orlando International Airport für den Wieder-Einreise-Notfall auf meinem Handy landete xDDD
Ich sag’s euch. Ich und mein Reiseplan. Es ist kompliziert.
Wegen 1 gesundem Abstand bei 3 Monaten Zusammenleben auf 12 qm, meiner basic Mexiko-Love, dem wohl schönsten Tauchspot der Welt auf Cozumel vor der Nase und der Existenz von Dulce gibt es eine kleinere Februar-Mission in Angriff zu nehmen. Die da heißt: In Cozumel vom Schiff hopsen, 10 Tage in Mexiko viven und dann per Flieger wieder nach Orlando immigrieren und zurück aufs Schiff. Deutscher Reisepass, kein Problem. Denkt man so.
Trotz aller Recherchen vorab – inklusive Gesprächen mit der US-Botschaft, der offiziellen ESTA-Hotline und allen Verantwortlichen auf dem Schiff – ist nicht 100% klar, ob’s bei der Wiedereinreise Probleme geben könnte. Die Kombo, per Kreuzfahrtschiff das Land bzw. den US-Schiffs-Loop zu verlassen und per Flugzeug wieder einzureisen ist nicht sonderlich gängig. Erst recht nicht, wenn man die 90-Tages-Grenze fürs visafreie Reisen mal dezent bis auf einen Tag ausreizen will – und dazwischen in drölf Ländern rumgegurkt ist… xDD Theoretisch geht es schon klar, aber jeder sagt mir: Hm, wird der Grenzbeamte ggf. nicht mögen – und der kann dir halt die Einreise verweigern, wenn er Bock dazu hat. Klingt eher semi nice.
Ich brauch Gewissheit von der Quelle. Fest entschlossen will ich bei unserem wöchentlichen Sonntagsstopp in Port Canaveral einfach mal auf doof einen Immigration-Officer von der US-Border-Patrol direkt fragen, wie er das beurteilen würde.
Da die Schalter nach meiner wöchentlichen strengen XXL-Auscheck- und Eincheck-Prozedur inklusive Face recognition schon nicht mehr besetzt sind, gucke ich ein bisschen doof aus der Wäsche. Und laufe orientierungslos (das kann ich gut :D) durch den Terminal.
Bis… Ha, eine Uniform! Jawoll, den laber ich an!
Ein simples „Excuse me Sir, are you an immigration officer?“ erfolgt – und der Rest ist schon wieder eine legendary Geschichte 😀
Officer Z. King (kein Scherz xDDDD) sitzt vor mir. Lässig auf einem Campingstuhl.
Lustiges Gesicht, dicker Bauch, nett.
Hat natürlich überhaupt nix mit Immigration zu tun, aber angebissen hatter trotzdem. Theee King hat eine Mission!
„I have no idea how to answer that question, but I will find you someone who can!“
Mit persönlicher Garde geht es also in 1:1-Betreuung durch den gesamten abgesperrten Terminal. Kreuz und quer über Ecken, Flure, Rolltreppen.
Der Smalltalk revealt, ich bin deutsch. Und zack, fangen Z. Kings Augen an zu glitzern. Geradezu euphorisiert zückt er sein Handy.
„German?! No way?! You will not believe what nice German words I have learned today.“
„Oh, you had a lot of German visitors with questions here or what?“
„No, I found this awesome page. Look at this! Check this out! OMG!“
Und dann zeigt er mir einfach ne Meme-Seite mit lustigen 1:1 Übersetzungen von kreativen deutschen Beleidigungen xDDDD
„Please read it. Read it. Say it!“, haut er ich mit Ellenbogen an, als wären wir alte Saufkumpel.
Hahahahahahaha. Ernsthaft?! Ich guck diesen Police Officer in Uniform einfach nur fragend an und muss so lachen.
Aber gut. Konzentration. Ich schaue das Meme an und lese laut vor:
„Pommespanzer – a fat person who eats a lot of fries“ xDDDD
HAHAHHAA – Ich kann nicht mehr. Der Typ hat natürlich die dreckigste Lache auf dem Planeten und kriegt sich nicht ein.
Weiter geht’s!
„I have more, I have more…. Here!“ (SWIPE) „Aaaand go. Say it!!!!“ xDDDD
„Sackgesicht – an ugly person who’s face looks like testicles!“
„HAHAHAHHAAH“ – Wieder schnallt er ab.
Es folgen noch Kampfzwerg, Buttergnom (was ist das eigentlich bitte?!“) und sonstwas für ulkige Ausdrücke.
Als wir mit Tränen in den Augen schließlich bei der grantigen Grenz-Lady ankommen, sind wir geradezu enttäuscht. Richtig wieder im Ernst des Lebens angekommen. Continence ist angesagt!
Und wir werden direkt auf den Boden der Tatsachen katapultiert. Die Lady sagt, sie würde mich nicht einfach durchlassen und mich zum Secondary, einem Interview aka einer Mini-Vernehmung, schicken. Sie gibt mir ne 50/50 Chance. Ja super. Nicht exakt das, was ich hören wollt. Aber iwie hat die mir auch gar nicht richtig zugehört und alles durcheinandergeschmissen, hab ich das Gefühl.
Auf dem Weg zurück versucht Z. King, die Stimmung zu heben.
„Well. At least you know now and don’t get lost in Mexico when they send you back :D“
Ich press ein Lächeln raus, bin aber maximal verwirrt und frag mich, was ich nu machen soll.
Was ein Scheiß. Aber auch bei Z. King rattert’s. So ganz will er die Lage auch nicht akzeptieren. Er schaut skeptisch und runzelt die Stirn.
„I don’t want to sound mean, but I think the lady was full of shit – I’ll spill it out loud“ xDD
I think she understood you want to restart your ESTA and bypass the VISA. I have another idea. We call someone else…“
Hammer. Z. King ist wirklich auf Mission.
Er zückt sein Handy – diesmal nicht, um weitere Deutsch-Beleidigungen zu ergründen, sondern um den CBP-Boarder-Patrol-Supervisor vom Flughafen Orlando persönlich anzurufen. Nicht. Sein. Ernst. Was ein Glück ich schon wieder habe.
Erste Reaktion: gar nicht cool die Aktion. Er rät ab.
Zweite Reaktion (10 sek später): Hm, aber wenn sie das ESTA nicht neu startet, sondern nur einen Re-Entry beantragt, müsste es eigentlich gehen, sofern sie unter 90 Tage bleibt. Ich rufe meinen Chef an.
2 Min später.
Auch der Chef confirmed. Es geht. Damit steht es 2:1 – mit Meinung von ganz oben.
Und ich komm mir vor wie bei der versteckten Kamera. Z. King entscheidet sich nämlich, Nägel mit Köpfen zu machen und fordert den Super-Guru locker aus der Hüfte auf, das nochmal laut und deutlich zu wiederholen – auf Lautsprecher – für 3 anwesende Zeugen. Hahaha.
„Can you repeat that Sir? I have put you on speaker. She will be fine?“
Kurze Pause.
„Yep. She should be fine and good to go.“
Poach. Was eine Achterbahn der Gefühle.
„Should I risk it?“, frag ich meinen neuen besten Freund in Florida abschließend immer noch sichtlich verwirrt auf dem Weg zurück durch die Sicherheitskontrollen zum Schiff.
„There is a little risk left. But come on. Go do your thing. You’ll be fine“
Er hält mir sein Handy hin und schiebt legere nach: „Come on, take a picture and take his number. If you have problems in Orlando call the supervisor directly and say you talked to him. I don’t know if he will talk to you, but shoot your shot“
Einfach grande.
Und so Kinder… landete die Nummer des Customs & Border Patrol Supervisors am Orlando International Airport für den Wieder-Einreise-Notfall auf meinem Handy. 😀
Was für eine Aktion schon wieder. Kannste keinem erzählen…