Der Parmesan-Gate und die Pampa

Nach einem perfekten Lomo-Steak, einem verheerenden Toilettenaffron, bei dem Mathi und ich parallel zwei WCs fachmännisch außer Betrieb nahmen, und einer Nacht im abfärbenden Zimmer (danke, ne :D) ging es gestern weiter mit unserem Nord-Trip.

Stop 1: der berühmte „siete colores“ Berg in Pumamarca. Abenteuerfreie Zone zur Abwechslung. 😉 Ein 3km Rund-Track mit Blick auf rote, grüne, lilane Berge liegt direkt am Ortseingang. Sogar ausgeschildert! Trotzdem gibt’s richtig was zu sehen – und am Ausgang was zu shoppen. Auf dem Markt wird zugelangt. Meine ersten Souvenirs (eine Reisetasche und ein richtig cooles Lamatuch) sind eingeheimst. Thomy hat mir dazu noch ein passendes Portmonnaie-Täschchen gekauft, Weihnachten liegt also doch in der Luft 🙂

Es folgen kleinere Komplikationen. Unser Hauptziel, eine kleine Salzwüste nahe der Bolivischen Grenze muss noch etwas warten. Denn nach ein paar km merken wir, dass wir uns im ab-so-lu-ten Nichts befinden – ähnlich wie unsere Tanknadel. Von der km-Zahl her sieht’s schon schlecht aus. Bei den Serpentinen, die wir hier permanent erklimmen (juhu, sari kann sich im Kart-Modus á la Vadder austoben) wird das erst recht nix. Also sofort mal den nächsten polizisten angequatscht. Die sind hier wirklich überall, hilfsbereit und sorgen hin und wieder bei mir für einen erhöhten Adrenalin-Fluss, wenn ich beim Fahren mal wieder keine Schuhe anhabe. Aber ich schweife ab. Das Gesicht des Polizisten verrät schon: Tankstelle… puh. „Da müsst ihr in die andere Richtung nach Ticara, hier kommt weit und breit nix mehr“ xD Gut, dass das der Ort ist, in dem wir gepennt haben. Was ein Nuts, aber es nützt ja nix: rums, 30 min zurück und die gleiche Strecke wieder hin. Kann weitergehen.

Die letzte Stunde zur Wüste ist echt ein Highlight – und definitv kein guter Ort zum Liegenbleiben. Also alles richtig gemacht. Meilenweit nichts: nur mal hier ein Lama, da ein Esel oder ein Souvenirverkäufer mitten in der Prärie. Wo die auch immer herkommen und was sie sich auch immer davon versprechen, stundenlang in der Hitze in einer Kurve im Nirgendwo zu hocken. Nur ein paar Kurven weiter finden wir nen Tierkadaver – einen Esel hat’s dahin gerafft. Ganz schön spooky, son Esel ohne Augen aber mit Zähnen. Wilkommen in der Wüste.

Sonnenbrille auf, ab aufs riesige Salzfeld. Lkws und Bagger sind eifrig am abbauen, wir am Fotografien. Rausgekommen ist eine witzige Session, vor allem dank Thomys Arafat-Auftritt und Mathias Mate-Tee-Becher. Das ist das argentische Getränk bzw. der argentinische Zeitvertreib schlechthin. Schmecken tut’s, find ich, schrecklich – Rici spricht auch liebevoll von einem Aschenbecher-Flavour xD – als Requisite fungiert „der Gerät“ allerdings 1a.

 

 

Auf dem Rückweg geben wir Gummi, schließlich muss der Wagen um 21h wieder auf dem Vermiet-Parkplatz stehen. Und zwar am Besten ohne die Offroad-Rallye-Spuren am Kotflügel. 😀 Um unseren victorianischen Ausflug (und unseren Krümmel-Unfall mit den Keksen) zu verbergen, fragen wir uns zur Auto-Waschanlage durch. Die stellt sich dann als super dubioser 2-Mann-Hinterhof-Betrieb heraus. Der Firmenname schön in Graffiti an die Hauswand geklatscht. Machen wir’s oder machen wir’s nicht? Außen- und Innenwäsche, heißt Auto offen lassen: 40 Minuten solls dauern, aber nur umgerechnet 4 Euro kosten. Ach komm: Wertsachen raus, Türen auflassen, aber Schlüssel mitnehmen. Was soll schon groß passieren? Nix, wie sich herausstellt. Als wir zurückkommen, erkennen wir unser Auto kaum wieder. Blitzblank. Innen, außen. Sogar die Amaturen sind mit sonem geilen Pflegezeug eingerieben, weshalb Thomas den Typen am liebsten nach Deutschland importieren würde 😀

Die Herausforderung des Tages sind, wie das immer in größeren Städten ist, die letzten Meter innerorts im Straßenverkehr. Hier regiert das Chaos und ganz sicher keine Vorfahrtsregeln. Fahren darf jeder, der selbstbewusst genug in die Kreuzung fährt und/oder hupt. Spuren gibt es auch keine, alles fährt kreuz und quer, v.a. Motorradfahrer, die jede Lücke nutzen. Aber auch das klappt. Weiß man einmal wie’s läuft, reduziert sich der Schweiß in den Händen und es wird selbst wild drauf los gehupt. Gefällt mir eigentlich ganz gut xDDD

Zurück im Hostel, sind alle fix und fertig aber glücklich. Um 22h oder so kämpfen wir mit 1,5 kg Fleisch ohne scharfes Messer und einem Berg Bratkartoffeln ohne Öl und ordentlicher Pfanne. Ok, der Speiseplan ist vll angesichts der Ausstattung nicht so ausgereift gewesen, aber es existierte halt Bock. 😀 Und am Ende des Tages, so nach ner Stunde liegen halt doch noch n Steak und die Patatas auf unserem Teller. Check.

Es hätte damit so friedlich zu Ende gehen können, aber aus dem Nichts taucht plötzlich der Endgegner des Tages auf. Ein 50-jähriger französisch sprechender Spanier eskaliert völligst und kann einfach nicht verstehen, wieso wir unbedingt noch unsere Rucksäcke packen müssen. „Ähm… vll weil es 23:30h ist, wir gerade von nem Trip kommen und morgen um 6h zum Busterminal müssen, um weiterzuziehen?“ Spakko. 😀 Macht der einfach immer ohne Kommentar unser Licht aus und brabbelt sich was in den Bart, dass er sich beschweren will. Ja mei… so läuft das nunmal in nem 6er oder 10er Zimmer. Mehr als sorry sagen bzw. erklären, dass es nicht anders geht und wir so leise sind wie möglich, können wir auch nicht. Soll er sich halt n Einzelzimmer nehmen oder ne Schlafbrille und Oropax kaufen. Hab ich ihm dann auch morgens,vorgeschlagen, als er wieder aufmüpfig rebelliert hat. Tschüss, war töfte. So sind die Aggressionen jetzt auch abgebaut. 😀

– Der Pamesan-Gate –
Inzwischen bin ich wieder entspannt – auch die 4 neuen Mückenstiche aus der Nacht sind verarbeit. Den Text hier habe ich jetzt auf der Busfahrt nach San Pedro de Atacama (Chile) getipselt. Das heißt: Ich kann direkt fortfahren und von dieser durchaus einprägsamen Erfahrung berichten xD

Der erster Hammer blowt unser Mind schon, als wir aus der Stadt rausfahren – und uns die eingeschlagene Route nur allzu bekannt vorkommt. Es stellt sich heraus: 2/3 der Strecke entsprechen der von gestern zu den Salinas (, die wir ja wegen des Tank-Maleurs zum Teil schon doppelt fahren mussten). Dödöö. Gehen Sie direkt ins Gefängnis und ziehen Sie nicht über Los 😀

Weitaus gravierender ist allerdings die nasale Gestaltung der Fahrt. Ich weiß nicht, was es ist, ich tippe auf Mais…, aber die Südamerikaner lassen solche Bomben auf Klo los. Voll widerlich! xD Vor allem: Können die sich auf soner Busfahrt nicht beherrschen und ihr Geschäft vor- oder nachher erledigen? Im Minutentakt ist Armageddon angesagt – nice, dass wir genau am Treppenaufgang sitzen. „Ich möchte das nicht!“ 😀

Wen wundert’s: Als wir an der chilenischen Grenze aussteigen, bin ich erleichtert. Endlich frische Luft. Doch der Preis ist hoch. Über ne Stunde dauert die Kontrolle. Erst wird penibel aus Argentinien ausgecheckt, dann in Chile eingecheckt. Selbstredend gibt’s dafür zwei unterschiedliche Schlangen. Aber eben wirklich nur zwei – bei 80 Leuten. Bist du soweit gekommen, darfst du zurück zum Bus, dein Gepäck holen und kannst dich wieder anstellen. Diesmal für die Zollkontrolle.

Bestimmt könnt ihr euch vorstellen, wie langsam die Uhr tickt, wenn du dir nicht sicher bist, ob du kurz vorm Ziel wegen deiner Kellogs mit getrockneten Früchten – oder gar 10 gramm Parmesankäse für deine Nudeln – hopps genommen wirst, die du nicht declared hast. Thomas hatte den Käse erst auf dem Einreiseschein angegeben, dann dem Rat des Busfahrers folgend aber doch n neuen Zettel bekommen und nothing to declare angekreuzt. Das würde sonst zu viel Trouble um nichts machen… Besonders ernst nehmen können wir den Busfahrer allerdings nicht. Er schlägt Thomas ohne Witz vor, den Parmesan doch einfach schnell aufzuessen. Was ist bitte mit ihm? xDD Kurz vor dem Zollcheck haben wir Schiss, die Chilenen gucken aber auch böse drein. Wir schmeißen unsere kritische Ware 2 m vor der Kontrolle unauffällig in den Müll. Problem gelöst. Aber hauptsache ne Stunde Panik geschoben.

Ausgerechnet mich filzen die nach dem Durchleuchtungscheck von vorne bis hinten. Handtasche, Souvenirs, Rucksack und Klamotten: Alles wird durchwühlt. Nach Ewigkeiten kommt das ok. Juhu – alle vier sind in Chile. Irgendwie fühlt es sich knapp an 😀 Vll auch, weil wir noch kein Hostel reserviert haben und deshalb keine Adresse auf dem Einreiseschein angeben können. Aber das wurd dann sofort organisiert.

Ein Gedanke zu „Der Parmesan-Gate und die Pampa

  1. Oh Mann, Schera. Du solltest ein Buch schreiben und auf das Titelbild muss unbedingt de Dr.Dr.Thomy mit dem Arafat Tuch. Irgendwie hat das Tuch Style….wie sagst Du immer so schön: Sari mögen! Ich auch. Es ist unfassbar spannend Euch auf Eurer Route zu folgen und wir genießen jedes Wort, jedes Bild und freuen uns schon auf den nächsten Blog. Passt gut auf Euch auf!. Mo

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