– Lifestyle of the rich and the nich rich –

Abends in Santiago anzukommen, war schon ziemlich cool. Mit großen Augen klebten wir an der Scheibe. Auf der anderen Seite Manhatten mäßige Wolkenkratzer, historische Gebäude, beleuchtete Wasserflächen – und eine dezente 10 mal 14 m große chilenische Flagge. Wow. Doch wie viele Städte hat auch dieses Exemplar ein zweites Gesicht, ein aber. Und was für eins. In kleinen Nebenstraßen abseits der Börsen und Banken grüßt das Ghetto – so auch in unserer Hostelstraße – und speziell in unserem Bad. 😀

Wie krass alles auseinanderragt merken wir auch bei unserer 4-stündigen Walkingtour: Tagsüber liegen zwischen all den Anzugträgern, die sich mit Kaffee in der Hand über die Straße hetzten, richtig verwarloste und zu 99% betrunkene Obdachlose in der Gegend rum. Hauptstadt-Flavor.

Die Tour führt ein junger Einheimischer und ist Tip-basiert. Man zahlt also am Ende einfach, was es einem Wert ist. Cooles Konzept und vor allem cooler Typ, unser Guide, der den perfekten Mix aus Geschichte, Kultur sowie Insider Food- und Bartipps abliefert. Das Ergebnis soll euch natürlich nicht vorenthalten werden – ungesund, aber unfassbar geil (natürlich)! Menü 1: chorillata – oder auch – „The Heartattack“. Warum? xD Irre hungrige Studenten haben ein Monster erschaffen: ein Bett aus Pommes, eine Schicht Rindfleisch, getoppt von einer Schicht Wurst und einer Zwiebeldecke, wohl behütet unter einer Spiegelei-Decke. Ich geh kaputt! Sowas konnte sich auch nur die Elite von morgen ausdenken :DDD Aber mit den Mengenangaben haben sie’s anscheinend nicht so. Der Kellner überredet uns nur eins zu bestellen – der Berg sei definitv für 4 Personen. Pfff! Da hat der wohl noch nie Thomy und mich zuschlagen sehen. Das Ding war so schnell weg, dass wir gleich noch Chickenwings mit Pommes für alle hinterher bestellt haben. Germans (kopfschütteln)… 😀

Der dazu empfohlene Drink hält das Level, jedoch nicht unseren 0er Alkoholspiegel. Teremoto, also Erdbeben, heißt er – und wird Sekunden nach dem ersten Nipper sofort in unser Cocktail-Repertoire aufgenommen. Man nehme die billigste auffindbare Flasche Weißwein (das sei sehr wichtig, sagt Franco :D), Fernet branco (nen Kräuterschnaps mit 40 Umdrehungen) und gebe einen fetten Batzen Ananaseis oben drauf. Nom nom nom. Serviert wird im 1,5l Kübel – wenn mans größer haben will, wird aus dem Teremoto ein Tsunami. Klar wie Kloßbrühe. 😄

Achtung Zeitsprung! Nach der Tour, aber noch vor dem Barausflug, der mit einer reibungslosen Taxifahrt endet ;-), gönnen wir uns zum Abschied von der Stadt einen Luxus-Ausblick über die Skyline. Da hat sich doch die Warterei am Cable Car gelohnt. Auch weil uns oben auf dem Hügel ein grüner Park erwartet, eine Freiluft-Kirche und hunderte Fragen von einem kleinen, sooo süßen Jungen, der unbedingt wissen will, wer so böse war und den armen Mann da nackig ans Kreuz getan hat. Da kommt Vatter hier und da aber ins Schwitzen, wenn nachgehakt wird.. 😀 Wir übrigens auch, obgleich in anderem Kontext. Ich sag nur 32 Grad im Schatten. 🙂

Unsere letzte glorreiche Idee bereuen wir ein bisschen. Der Ausflug in die Markthallen, die so angepriesen wurden und interessant klangen, sind völlig kacke. So abgefuckt, unhygienisch und ekelig alles. Sowohl Verkäufer als auch Ware. Wir wollten nur noch raus, auch weil es uns in der Fleischabteilung hochkommt. Gut 32 Grad ist ne Hausnummer. Aber dass das von heute sein soll, vor allem bei den Bergen, die da noch kurz vor Ladenschluss liegen, kann mir keiner erzählen. Trauriger Höhepunkt ist ein junger Fleischverkäufer, der offensichtlich viel Langeweile und wenig Anstand hat. Er bittet um ein Foto von sich – schnappt sich auf einmal einen Schweinekopf, setzt dem seine vollgeschwitzte Kappe auf und macht faxen. Oh mein Gott. Foto und weg. Schnell. Ich will gar nicht wissen, was die sonst so mit dem Fleisch anstellen, wenn keiner hinguckt.

Ja… als i-Tüpfelchen kommt dann natürlich noch der Clou. Omi du musst jetzt den Browser schließen. :-/ Erleichtert, endlich da raus zu sein, stehen wir an der ersten roten Ampel, 30 Leute um uns rum. Ein Mann rückt in mein Sichtfeld, geht einen Schritt auf die Straße und dreht sich um, als ob er gegen die Sonne guckend etwas lesen wolle. Scheiße, ich weiss sofort in der ersten zehntel Sekunde, da ist was faul, aber ich kann nix machen. Versuche noch nen Schritt wegzugehen, aber der Typ hängt schon in meinen Haaren und hat sich die Ray Ban geschnappt. Fuck. Ich kreische und schubs ihn weg, damit er nicht noch mehr ergattert. Thomas zerrt an ihm und zerreist ihm das Shirt. Panisch lässt der Typ die Brille fallen und haut ab. Die Leute drum rum interessiert das eher weniger bis gar nicht. Das sei „normal an dieser einen Kreuzung“. Einfache Trickdiebe halt. Die tun doch nix schlimmes. Ah ja. Deswegen hat uns auch erstmal ein angeblicher Journalist dabei „zufällig“ gefilmt. Komisch alles, aber naja. Nix passiert und optimistisch gesehen ist das jetzt als Erfahrung abgehakt, ohne Konsequenzen. Selbst die Brille ist noch heil, wobei mir das ziemlich wumpe ist. Augen werden weiter offen gehalten, versprochen.

2 Gedanken zu „– Lifestyle of the rich and the nich rich –

  1. Der alte Schuhputzer und der Anzugträger ,man glaubt in einer anderen Welt zu sein oder hätte ein Zeitsprung nicht mit bekommen.passt nur weiter auf euch auf,die Welt kann auch böse sein.

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